Einsatzwagen der Feuerwehr bei einem Brand in Berlin-Köpenick (Bild: IMAGO / Marius Schwarz)
IMAGO / Marius Schwarz
Bild: IMAGO / Marius Schwarz Download (mp3, 9 MB)

Interview - Feuerwehrgewerkschafter Wieg: "So eine katastrophale Situation hatten wir in Berlin noch nie"

Wegen zu vieler Notrufe bei gleichzeitig hohem Krankenstand musste die Berliner Feuerwehr am Wochenende ungewöhnlich lange den Ausnahmezustand ausrufen. Wegen der Überlastung fordert der Vorsitzende der Berliner Feuerwehrgewerkschaft Lars Wieg mehr Personal und Einsatzwägen.

Die Berliner Feuerwehr musste am Wochenende für über 16 Stunden den Ausnahmezustand verhängen. Weil zu viele Rettungswägen im Einsatz waren, konnten zwischenzeitlich kaum noch Einsatzkräfte zu neuen Notfällen losgeschickt werden. "So eine katastrophale Situation hatten wir in Berlin noch nie", sagt Lars Wieg, der Vorsitzende der Berliner Feuerwehrgewerkschaft.

Für die Kolleginnen und Kollegen der Einsatzleitstellen sei es eine besondere Herausforderung gewesen, allen Notrufen gerecht zu werden und bei Einsätzen bis spät in die Nacht seien viele Einsatzkräfte an ihre Belastungsgrenze gestoßen, beschreibt Wieg die Lage am vergangenen Wochenende. Die Hitze, das hohe Aufkommen von Touristen und Partys sowie ein Großeinsatz bei Abiturabschlussfeiern am Columbiadamm hätten am Samstag zum Ausnahmezustand geführt.

Viele Corona-Fälle bei der Berliner Feuerwehr

 

Zusätzlich verschärft wurde die extreme Belastung noch durch einen hohen Krankenstand infolge vieler Corona-Ausfälle bei der Berliner Feuerwehr. Von den 108 Rettungswägen, die am Wochenende eigentlich im Einsatz hätten sein sollen, konnten 21 nicht besetzt werden, erklärt der Feuerwehrgewerkschafter.

Man habe schon seit Monaten vor einer möglichen Überlastung der Berliner Feuerwehr gewarnt, kritisiert Wieg. Er fordert jetzt einen runden Tisch mit allen Beteiligten aus Politik und Verwaltung, um gemeinsam Lösungsvorschläge zu erarbeiten. "Schon 2020 haben wir die zusätzliche Ausstattung mit 20 neuen Rettungswagen gefordert.“ Außerdem müsse man mehr Werbung machen, um mehr Einsatzkräfte für die Berliner Polizei zu gewinnen.