Gruppenfoto der Teilnehmer und Teilnehmerinnen des G7-Gipfels auf Schloss Elmau
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Interview - Die G7 als Retter der Demokratie?

Seit Sonntag beraten die sieben führenden westlichen Industrienationen bei einem Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) betont, dass die G7 auch eine "Wertegemeinschaft führender Demokratien" seien. Das Format werde angesichts des Kriegs in der Ukraine wieder wichtiger, sagt Politikwissenschaftler Stefan Meister.

"Es war ja mal ein Format, wo man dachte, das sind sozusagen die absteigenden Mächte", sagt Meister. "Das ist sicher in Teilen immer noch der Fall - also ökonomisch zumindest." Es zeige sich aber auch, dass es für Demokratien wichtig ist, zusammenzuarbeiten, so der Politikwissenschaftler bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. So würden die Sanktionen gegen Russland vor allem von westlichen, demokratischen Ländern verhängt und getragen.

Die G7 seien ein Format, "um sich zu vergewissern und auch Stärke zu demonstrieren", erklärt Meister. Eine Weltordnung wie zu Zeiten des Kalten Krieges – also eine bipolare Ordnung - werde es aber nicht mehr geben. "Wir werden eine multipolare Welt bekommen", sagt der Politikwissenschaftler. Es sei nicht nur "der Westen gegen Russland", sondern "der Westen gegen den Rest" - also auch Indien, Brasilien und andere Staaten, die die Sanktionen nicht unterstützen und weiter russische Energie zu günstigen Preisen nutzen.

Es sei gar nicht möglich, die Regierung in Moskau weltweit komplett zu isolieren. "Auch wenn wir die Beziehungen zu Russland einfrieren und minimieren, wird Russland einfach als ein ganz wichtiger Lieferant von Öl und Gas weiterhin global eine Rolle spielen." Beim G7-Gipfel gehe es vor allem um Symbolpolitik, so Meister. Er sehe darin vor allem eine "Demonstration von Einigkeit".