Ein Deckel, eine sogenannte Straßenkappe eines Gasanschlusses im Gehweg.
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Interview - Kellner: "Wird ein enger Winter, wir werden Mangel leiden"

Deutschland hat die Alarmstufe seines Gas-Notfall-Plans ausgerufen - und die Gas-Speicher sind derzeit zu etwa 60 Prozent gefüllt. Michael Kellner (Grüne), Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, sagt: "Wir müssen uns schnellstmöglich aus der Abhängigkeit von Russland befreien."

Der Gasfluss nach Europa und Deutschland sei jetzt ja schon stark gedrosselt, so Kellner. "Wir müssen Gas einsparen, wir müssen Energie einsparen." Zwar habe man in den vergangenen sechs Monaten alles getan, um die Gasversorgung zu "diversifizieren", sagt der Grünen-Staatssekretär. Allerdings gebe es in Deutschland keine strategische Gasreserve, anders als bei Öl.

Deswegen würden ab dem Winter vor der Nord- und Ostseeküste "FSRUs" verankert, sagt Kellner: Das sind Schiffe, die eine schnelle Übergangslösung für den Transport von flüssigem Erdgas (LNG) bieten, bis die ersten LNG-Terminals auf dem deutschen Festland einsatzbereit sind. Außerdem würden Kohlekraftwerke aus der Reserve geholt, um die ca. 10 bis 15 Prozent des Gasverbrauchs zu ersetzen, der in Deutschland zur Stromerzeugung genutzt wird.

"Wenn jetzt im Juli kein Gas mehr kommen würde, […] hätten wir kurzfristig erst mal keinen Grund zur Panik", so der Staatssekretär. Es sei aber auch klar: Für den nächsten Winter reiche es nicht. "Mit diesen Gasmengen wird es ein ganz, ganz enger Winter. Und wir werden Mangel leiden." Es sei dringend geboten, den Ausbau der Erneuerbaren Energien voranzutreiben, sagt Kellner: "Wir müssen schneller werden mit der Energiewende."

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