Symbolbild: Gas-Anzeigen
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Interview - Zukunftsforscher: "Menschen brauchen eine positive Prognose"

Die Gaskrise bereitet vielen Menschen Sorgen, die Regierung ruft zum Umdenken und Sparen auf. Kann die Krise auch eine Chance sein? Der Zukunftsforscher Daniel Dettling plädiert für den "Possibilismus": Die Überzeugung, dass eine bessere Zukunft möglich ist.

Krisen seien immer eine Beschleunigung von Veränderungen und damit auch eine Chance. "Vor 50 Jahren gab es schon mal eine Ölpreiskrise, und danach gab es einen Schwung an Innovationen", sagt Dettling. Damals habe ein Auto etwa 18 bis 20 Liter Benzin pro 100.000 Kilometer verbraucht, heute seien es im Durchschnitt deutlich unter zehn Litern.

Positive Zukunftsbilder entwerfen

 

Wichtig ist dem Zukunftsforscher zufolge, auf dieses Potential zur Veränderung hinzuweisen.Die Menschen seien durchaus zu Veränderungen bereit. Es sei die Aufgabe von Politik, Eliten, aber auch Eltern, positive Zukunftsbilder für die kommenden Generationen zu entwerfen. "Bislang haben Transformationskrisenzeiten immer zu Verbesserungen, zu mehr Wohlstand, Lebensqualität, Chancen geführt – diese Zukunft gilt es jetzt zu beschreiben und den Leuten auch zu erklären", sagt Dettling.

"Die Menschen brauchen eine positive Prognose, ein Licht am Ende des Tunnels, ansonsten verfällt das Land auch sehr schnell auch in eine kollektive Zukunftsangststarre", sagt der Politikberater. Diese könne zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung werden. Um diese zu verhindern, sei die Politik gut beraten, positive Bilder am Ende des Tunnels zu schildern, so Dettling.

Veränderung ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe

 

Dafür brauche es eine richtige Balance aus Optimismus: Den Possibilismus, also die Überzeugung, dass eine bessere Zukunft möglich ist. Damit diese Zukunft entstehe, brauche es aber viele Akteure: Menschen, Unternehmen, Politik. "Alle", sagt Dettling, "es geht um eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung."