Angehörige der Sinti und Roma halten bei einer Gedenkveranstaltung in Auschwitz ein Poster mit Porträts in den Händen.
Bild: IMAGO / ZUMA Wire

Interview - Landesrat der Sinti und Roma lobt Verfassungsänderung in Brandenburg

In Brandenburg soll künftig in der Verfassung der Kampf gegen Antiziganismus festgeschrieben werden. Dotschy Reinhardt vom Landesrat der Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V. lobt den Schritt als "wichtiges Zeichen" im Kampf gegen die Diskriminierung von Sinti und Roma.

Der Potsdamer Landtag stimmt am Donnerstag über eine Änderung der Verfassung ab: Künftig soll – neben der Freundschaft zu Polen und dem Kampf gegen Antisemitismus – auch der Kampf gegen den Antiziganismus, also die Diskriminierung von Sinti und Roma, in der Verfassung festgeschrieben sein. Die Musikerin, Autorin und Menschenrechtlerin Dotschy Reinhardt ist seit 2016 Vorsitzendes des Landesrates der Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.; sie lobt diesen Vorstoß der Landesregierung:

"Dies wäre ein wichtiger Schritt, der deutlich machen würde, dass Sinti und Roma seit Jahrhunderten in Deutschland beheimatet sind – also auch in Brandenburg. Es wäre ein deutliches Zeichen, dass der demokratische Rechtsstaat in Zeiten von erstärktem Nationalsozialismus und Neonazismus nach der Erfahrung der Geschichte Verantwortung übernimmt für unsere gemeinsame Zukunft", so Reinhardt.

Solches Staatsziel hätte "große Strahlkraft"


Ein so festgeschriebenes Staatsziel würde mit Sicherheit "eine große Strahlkraft entfalten", glaubt Reinhardt. So etwas würde jedem Bundesland gut zu Gesicht stehen. Neben Schleswig-Holstein werde Brandenburg aber erst das zweite Bundesland sein, das den Kampf gegen Antiziganismus in der Verfassung verankere.

Der Antiziganismus werde in der Bevölkerung kaum wahrgenommen, weil keine Kenntnis darüber vorhanden sein. Es werde fast kein authentisches Wissen vermittelt über Leben, Kultur oder geleistete Beiträge der Sinti und Roma hier im Land. So suche man beispielsweise vergeblich in schulischen Lehrplänen nach Informationen über Sinti und Roma, sagt die Landesrats-Vorsitzende.