22.8.2021: Geflüchtete sitzen in einem Airbus A400M der Bundeswehr. Die Bundeswehr hat weitere deutsche Staatsbürger und afghanische Ortskräfte aus Kabul evakuiert (Bild: picture alliance/dpa/Bundeswehr)
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Interview - Tausende afghanische Bundeswehr-Ortskräfte harren in Verstecken aus

Der Bundestag will einen Untersuchungsausschuss zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr einsetzen. Rund 10 000 Ortskräfte harren noch immer im Land aus - weil sie keinen Reisepass haben, können sie die Aufnahmezusage Deutschlands nicht annehmen, sagt Qais Nekzai vom Patenschaftsnetzwerk Ortskräfte Afghanistan.

Nach Angaben von Qais Nekzai vom Patenschaftsnetzwerk Ortskräfte Afghanistan harren nach der Machtübernahme der Taliban noch Tausende Menschen in Verstecken in Afghanistan aus, die eigentlich nach Deutschland kommen dürften. Es gebe laut Bundesregierung etwa 10 000 Menschen mit Aufnahmezusage in Afghanistan.

Afghanische Ortskräfte müssen Identität geheim halten

 

"Die Situation von Ortskräften ist leider sehr dramatisch", sagt Nekzai. Sie hielten sich versteckt und mischten sich unter gewöhnliche Afghanen, wenn sie das Haus verließen. "Und hoffen, dass sie in der Menge nicht auffallen." Sie müssten ihre Identität geheim halten.

Keine staatliche Unterstützung des Patenschaftsnetzwerks

 

Das Patenschaftsnetzwerk habe seit vergangenem Jahr 330 Menschen in Sicherheit gebracht - unterstützt durch Spendengelder. Eine staatliche Unterstützung habe es bislang nicht gegeben, so Nekzai. Teils wäre es aber möglich, weitere Menschen zu evakuieren. Problematisch sei für viele ehemalige Ortskräfte, dass sie keinen Reisepass besitzen würden - so könnten sie trotz Aufnahmezusage von Deutschland nicht in Drittstaaten gelangen, um von dort weiter zu reisen. "Wegen fehlender Reisepässe sitzen sie fest und werden nicht evakuiert." An Pässe zu gelangen sei schwierig und für viele unbezahlbar.