Kraftwerk Herne, ein Steinkohlekraftwerk der Steag
Bild: Zoonar.com/Stefan Ziese

Interview - ARD-Experte: Klimaziele bleiben in Ferne bei Gasersatz durch Kohle

Russland hat seine Erdgaslieferungen nach Europa erheblich gedrosselt. Die Industrie ist zwar durchaus bereit, Energie zu sparen, trotzdem aber in Sorge um die Sicherheit ihrer Energieversorgung. Dass dadurch ein Wiedereinstieg in die Atomkraft näher rückt, hält der ARD-Klima- und Energieexperte Werner Eckert aber für unwahrscheinlich.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will nun vorübergehend bei der Stromerzeugung stärker Kohle nutzen, um Gas zu sparen und einlagern zu können. ARD-Klima- und Energieexperte Werner Eckert glaubt, dass dieser Schritt zwar nicht helfen werde, den Klimazielen näher zu kommen. "Das wird jetzt nicht einfacher, wenn man tendenziell mehr Kohle verbrennt, wobei man sagen muss, es geht hier um den Ersatz von Gas durch Kohle".

Kein größerer Schaden für Klimabilanz

 

Hinzu kommt die Klimaziele seien auch aus Sicht der Bundesregierung schon in diesen beiden Jahren nicht zu erreichen gewesen. Der Schritt werde die Klimabilanz jetzt nicht nachhaltig schädigen, sofern der Kohle-Ausstieg nicht langfristig in Frage gestellt, wofür sich jetzt aber niemand ausspreche, so der Energieexperte.

Kaum Chance für Atomkraft

 

Die Union verlangt mit Blick auf die Klimaziele, die Laufzeiten der drei verbliebenen Atomkraft-Werke zu verlängern. Eckert schätzt ein, würde die Politik "auf Knien" die Betreiber der AKW darum bitten, sie länger laufen zu lassen, fänden sich Wege dafür. Aber das wolle niemand, da die Politik dafür das Atomausstiegsgesetz ändern müsste und die Betreiber auf Planbarkeit und Kalkulierbarkeit setzten.