EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht bei ihrem Besuch in Kiew im April mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskyj
Bild: picture alliance / The Presidential Office of Ukraine

Interview - Hofreiter: EU-Gipfel sollte Ukraine Kandidatenstatus geben

Die EU-Kommission hat sich dafür ausgesprochen, die Ukraine offiziell zum Kandidaten für den Beitritt zur Europäischen Union zu ernennen. Anton Hofreiter (Grüne) plädiert dafür, dass der EU-Gipfel nächste Woche den Kandidatenstatus direkt beschließen sollte.

Die Staats- und Regierungschefs treffen sich kommende Woche zu einem Gipfel - dann könnte bereits darüber abgestimmt werden, ob die Ukraine den Kandidatenstatus bekommt oder nicht. "Dann direkt EU-Mitglied zu werden - das dauert immer etwas länger", betont Hofreiter. Dazu habe die Ukraine aber bereits deutlich gemacht, "dass sie keine Abkürzung wünscht". Man wolle sich „selbstverständlich an das Prozedere halten", so der Grünen-Politiker. "Sie sehen das auch als große Chance für ihr eigenes Land."

Bei der Entscheidung über den Kandidatenstatus sei er optimistisch, dass es gelingen könnte, die Zweifelnden in der EU zu überzeugen, sagt Hofreiter. "Gerade wenn Länder wie Polen, Deutschland, Frankreich und Italien sich da sehr einig sind." So sei etwa Ungarn in erheblichen Schwierigkeiten, weil es sich selbst isoliert habe. Er sei nicht sicher, ob das Land weiter in dieser Härte vorgehen wird, so der Grünen-Politiker, denn: "Ungarn braucht Geld von der Europäischen Union, das zum Glück derzeit gesperrt ist." Außerdem habe das Land "den Schutz durch Polen" verloren.

Auch auf rbb24inforadio.de

EU-Fahne vor Fahne der Ukraine
picture alliance / CHROMORANGE

Interview - Politologe: "Kandidatenstatus für Ukraine ist wahrscheinlich"

Die Ukraine wünscht sich einen Beitritt zur EU - und die EU-Kommission hat sich für den Kandidatenstatus ausgesprochen. Es sehe sehr danach aus, dass auch die EU-Mitgliedsstaaten gemeinschaftlich zustimmen, sagt Kai-Olaf Lang, Osteuropa-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Doch es gebe auch Bedenken.

"World help us" steht am mit Sandsäcken geschützten Denkmal der Fürstin Olga in der Innenstadt von Kiew.
dpa

Russischer Angriff - Krieg in der Ukraine

Seit Ende Februar herrscht Krieg in Europa: Russland greift die Ukraine militärisch an. Im ganzen Land stehen die Städte immer wieder unter Beschuss. Mehrere Millionen Menschen sind auf der Flucht. Inforadio begleitet die Entwicklung und erklärt Hintergründe in Interviews, Reportagen und Podcasts.