Beim Fest des Fastenbrechens beten Gläubige in der Ibn Rushd-Goethe Moschee.
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Interview - Moschee-Gründerin Ateş ist "dankbar" und "bereut nichts"

Seit fünf Jahren gibt es in Berlin-Moabit die Ibn Rushd-Goethe Moschee, die einen progressiven Islam vertritt. Frauen und Männer beten dort gemeinsam. Freitags kämen vielleicht nicht so viele Menschen in ihre Moschee wie in andere, sagt Leiterin Seyran Ateş, aber: "Wir haben unglaublich viel angestoßen."

Die Frauenrechtlerin und Anwältin Seyran Ateş steht bereits seit 16 Jahren unter Polizeischutz, weil sie sich für einen liberalen Islam und gegen die Zwangsheirat einsetzt. Seit der Gründung der Ibn Rushd-Goethe Moschee in Moabit vor fünf Jahren habe sich die Lage verschärft, erzählt sie. "Die Bedrohung ist gestiegen." Inzwischen gebe es ein eigenes Team, das sie beschütze, so Ateş.

"Ich bereue nichts, ich würde alles wieder machen", sagt sie. "Mehr als 16 Jahre habe ich Erfahrung damit, dass Menschen versuchen, mich mundtot zu machen - und zwar durch Gewalt. Und dieser Staat, gottseidank, schützt mich davor und dafür bin ich dankbar." Aus dieser Dankbarkeit heraus erkenne sie auch die Verpflichtung, die Menschen wie sie hätten, so Ateş.

Die physische und psychische Gewalt von Gegnern halte viele Millionen Menschen weltweit davon ab, sich einer Bewegung wie ihrer anzuschließen, sagt die Moschee-Gründerin. Doch immer mehr würden es wagen. So habe sie Gespräche mit Frauen in der Schweiz und in der norwegischen Hauptstadt geführt, die ebenfalls progressive Moscheen gründen wollen.

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