Ein Soldat des deutschen Einsatzkontingent mit dem Logo und Schulterpatch der Nato-Einsatzgruppe "Enhanced Forward Presence" (eFP).
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Interview - Geopolitik-Experte: "Putin testet Standhaftigkeit der NATO"

Die NATO will der Ukraine mehr schwere Waffen liefern - das hat das Militärbündnis am Mittwoch mitgeteilt. Es klinge perfide, aber der russische Präsident Putin prüfe mit den Angriffen auf die Ukraine, wie standhaft das westliche Bündnis sei, sagt Stefan Bayer, Forschungsleiter beim German Institute for Defence and Strategic Studies.

Wladimir Putin verfolge damit ein strategisches Ziel, so Bayer. "Er versucht eigentlich, uns zu testen, ob wir seinen Aggressionen standhalten", so der Experte für Geopolitik und Strategien. Die NATO sei als Verteidigungsbündnis bisher nie akut in einer „konventionellen Bedrohung" gewesen - wenn man vom Kalten Krieg und der nuklearen Bedrohung absehe.

"Wir haben es ein Stück weit aus unseren Gedanken verdrängt, dass diese Notwendigkeit des Verteidigens bestehen kann", so Bayer. Nun sei man damit konfrontiert, dass das möglicherweise nötig wird. Die NATO verhalte sich derzeit "eigentlich ganz ordentlich". Die Bundesregierung habe ein wenig an Sorgfalt vermissen lassen, weil man geglaubt habe, konventionelle Kriege seien in Europa überwunden.

Wenn Prävention gut funktioniere, schaffe sie sich oft selbst ab, betont der Hamburger Geopolitik-Experte. "Das konventionelle Abschreckungspotential ist uns ein wenig abhandengekommen - und auch der Wille, es einzusetzen. Das ändert sich durch die Tätigkeiten Putins gerade dramatisch."

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