Eine Milchkuh streckt ihre Zunge heraus in einem Stall in Angermünde (Bild: dpa / Patrick Pleul)
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Interview - Künast (Grüne): "Die Zeit billiger Lebensmittel ist vorbei"

Am Dienstag und Mittwoch ist Deutscher Bauerntag. Landwirte kämpfen mit gestiegenen Kosten, Verbraucher kaufen weniger ein. Damit Lebensmittel auch für ärmere Menschen bezahlbar bleiben, müssten die Regelsätze erhöht werden, fordert die Grünen-Politikerin Renate Künast.

Verbraucherinnen und Verbraucher müssten sich einerseits daran gewöhnen, mehr für Lebensmittel zu bezahlen, so Künast. Bestimmte Produkte müssten aber auch günstiger werden - etwa Obst und Gemüse.

Künast unterstützt den Vorschlag von Gesundheitsminister Cem Özdemir (Grüne), die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte zu streichen. "Wir haben eine sehr strittige Diskussion mit unseren Koalitionspartnern, zumindest mit der FDP an dieser Stelle, die solche Dinge nicht angehen will", so die Grünen-Politikerin. Ob und wann der Vorschlag umgesetzt werde, könne man deshalb nicht sagen. Aufgrund der steigenden Preise werde aber bereits über ein weiteres Entlastungspaket für Bürgerinnen und Bürger beraten.

Weiteres Entlastungspaket geplant

 

"Aber insgesamt ist, denke ich, die Zeit billiger Lebensmittel vorbei und wir müssen uns Gedanken machen, wie wir Planungssicherheit für Bauern in Zukunft schaffen", sagt Künast. Gleichzeitig müssten arme Menschen entlastet werden. Regelsätze, etwa bei der Grundsicherung, seien falsch berechnet.

Es brauche auch eine Transformation im Agrarbereich, fordert Künast. "Wir müssen auch überlegen, was wird angebaut." Agrarsubventionen müssten so verändert werden, dass Klimaveränderungen und Klimaschutz berücksichtigt werden. Auch der Klimawandel mache am Ende Lebensmittel teurer.

Hinweis

Frau Künast spricht im Interview von einer "Schieflage, dass wir auf Fleisch 7 Prozent Mehrwertsteuer zahlen und auf Gemüse und Obst [...] 19 Prozent."

Das ist nicht korrekt. Für Grundnahrungsmittel, zu denen auch Obst und Gemüse gehören, gilt der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent.

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