Eine Frau schwenkt die ukrainische Flagge auf einem zerstörten russischen Panzer (Bild: dpa / Natacha Pisarenko)
Bild: dpa / Natacha Pisarenko

Interview - Konfliktforscherin: "Ukraine will frühere Grenzen zurückgewinnen"

Wie kann die Ukraine im russischen Angriffskrieg eigentlich "gewinnen"? Indem sie die früheren Grenzen ihres Landes - vielleicht sogar inklusive der Krim - zurückerlangt, sagt Nicole Deitelhoff von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Und das müsse auch Deutschlands Ziel sein.

Man müsse sich fragen, was man eigentlich darunter versteht, dass die Ukraine den Krieg "gewinnen" könnte, so Deitelhoff. Es gehe ja keinesfalls darum, dass gegnerische Land - also Russland - zu erobern. "Wenn die Ukraine den Krieg gewinnt, bedeutet das, dass sie in der Lage ist, ihre Grenzen zumindest vom 23. Februar dieses Jahres wiederherzustellen - oder sogar inklusive der Krim wiederherzustellen", erklärt die Konfliktforscherin.

Auch die deutsche Politik werde in ihrer Position zum Krieg sicher nicht darüber hinaus gehen wollen, sagt Deitelhoff. "Die Frage ist - und das sehen wir auch im Ansatz der deutschen Außenpolitik: Wie kann man dieses Ziel unterstützen, ohne dass man eben eine weitere Eskalation in diesem Krieg herbeiführt?" Man müsse sich bei jedem Schritt gut überlegen, wie die russische Seite reagieren könnte, so die Professorin für Internationale Beziehungen der Goethe-Universität in Frankfurt/Main.

Diplomatische Bemühungen seien jedoch schwierig, denn Russland zeige keinerlei Interesse an Verhandlungen. Deswegen werde es wohl auch bei einem möglichen Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit den Regierungschefs von Frankreich und Italien in Kiew nicht um Diplomatie gehen, vermutet Deitelhoff. Vielmehr könnte es etwa um einen möglichen EU-Beitritt zur Ukraine gehen. "Sie können sich natürlich bekennen zur Ukraine als Beitrittskandidaten - und das würde durchaus auch etwas bewirken für die Verhandlungen, die kurz danach anstehen, im Rahmen des Europäischen Rates."