Blumen liegen vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg, wo ein Autofahrer am Mittwoch, 08.06.2022 in eine Menschenmenge gefahren war (Bild: dpa)
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Interview - Können Notbremsassistenten zukünftig tödliche Autofahrten verhindern?

Die tödliche Autofahrt in Berlin-Charlottenburg hat auch eine Diskussion entfacht, mit welchen technischen Lösungen Amokfahrten zukünftig verhindert werden können. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, hält eine Zwangsbremse in wenigen Jahren für möglich.

Nach der Todesfahrt am Berliner Tauentzien am Mittwoch muss erneut darüber diskutiert werden, wie tödliche Autofahrten besser verhindert werden können. Weil Sicherheitsbegrenzungen nicht überall installiert werden können, richtet sich der Blick nun auch auf technische Möglichkeiten, mit denen Fahrzeuge daran gehindert werden können, in Menschenmengen zu fahren.

"Was Autos schon sehr gut können, ist, Hindernisse zu erkennen und den Fahrer zu warnen", erklärt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Deutschen Versicherer. Ein automatischer Bremseingriff des Fahrzeugs sei aber nur dann möglich, wenn sich das Fahrzeug ganz sicher ist, dass es auf ein Hindernis zusteuert. "Davon sind wir noch ein gutes Stück entfernt." Perspektivisch hält der Unfallforscher einen automatischen Notbremsassistenten aber für möglich.

Zwangsbremse als nächster Schritt

 

In zwei bis drei Jahren sei die Technologie so weit, dass Notbremsassistenten auch Fußgänger und Fahrradfahrer zuverlässig erkennen könnten. "Das Problem, dass wir bisher noch haben, ist, alle diese Systeme können im Menü abgeschaltet oder übersteuert werden." Wenn jemand mit Absicht auf andere Menschen zusteuere, ist das also weiterhin möglich, sagt Brockmann. Um das zu verhindern, müsse man noch einen Schritt weitergehen und die Notbremsassistenten nicht mehr abschaltbar machen.

Im Moment entwickele sich die Politik jedoch in eine andere Richtung. Ein Vorschlag der EU-Kommission, eine Tempo-Kontrolle in Fahrzeugen einzubauen, die vor dem Übertreten der Geschwindigkeit zu einem spürbaren Widerstand am Gaspedal führt, sei gerade erst auf ein Warnsignal heruntergeschrumpft worden, kritisiert Brockmann. Seiner Meinung nach würden sich Staaten jedoch lächerlich machen, wenn sie die technischen Möglichkeiten zur Einhaltung der Verkehrsregeln nicht nutzen, sobald Notbremsassistenten auch Fußgänger und Fahrradfahrer zuverlässig erkennen können.

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Passanten gehen an Blumen vorbei, die an einem Ampelmast auf der Tauentzienstraße niedergelegt worden sind in Trauer um die getötete Lehrerin und zahlreichen Verletzten nach der Todesfahrt am 08.06.2022.
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Interview - Staatsanwaltschaft schließt politische Tat aus

Nach der tödlichen Fahrt am Mittwoch in Berlin Charlottenburg schließt die Staatsanwaltschaft sowohl einen Unfall, als auch ein politisches Motiv des Täters aus. Vieles spreche für eine paranoide Schizophrenie. Über den aktuellen Ermittlungsstand und wie es den Verletzten geht, berichtet Nico Hecht.