Besucher mit einem Friedenszeichen in den Nationalfarben der Ukraine.
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Interview - Osteuropa-Expertin: "Nicht den Drohungen Putins erliegen"

Seit über 100 Tagen führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Chancen für eine diplomatische Lösung sieht Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Universität Bremen, derzeit kaum. Der Westen dürfe aber nicht den Drohungen des russischen Präsidenten Putin nachgeben.

Abgesehen von Waffenlieferungen sehe sie im Moment kaum einen Weg, um Russland zu stoppen, so Schattenberg. "Wir Außenstehenden haben da kaum Mittel."

Schattenberg: Auf die Regeln des Kalten Krieges verlassen

 

Der Westen solle sich aber auch nicht von russischen Drohungen einschüchtern lassen. Präsident Putin spiele mit der Angst der westlichen Länder vor dem Einsatz von Atomwaffen. "Ich denke, man muss sich letztlich auf die Regeln des Kalten Krieges verlassen, dass die noch wirken, dass eben solange tatsächlich nicht direkt ein Nato-Partner eingreift, auch dies kein Krieg zwischen der Nato und Russland wird und dementsprechend auch keine Atomwaffen eingesetzt werden", sagt die Osteuropa-Expertin. Sie glaube, je stärker und geschlossener der Westen auftrete, desto unwahrscheinlicher werde es, dass Putin Atomwaffen einsetzt.

Aufgabe von Gebieten durch Ukraine ist der falsche Weg

 

Der falsche Weg sei es, auf einen Waffenstillstand hinzuwirken, bei dem das Land die von Russland eroberten Gebiete abtritt, so Schattenberg. Es sei verständlich, dass die Ukraine keine Lösung akzeptieren will, bei der nicht mindestens der Zustand vor dem 24. Februar wieder hergestellt wird.

Putin schätze die Lage möglicherweise noch immer falsch ein. "Ich denke, dass zumindest seine Militärstrategen sehr wohl sehen, wie schlecht es um die russische Armee bestellt ist, um die Kampfkraft, um die Kampfmoral, um den Nachschub", sagt Schattenberg. Die russische Führung stelle die Situation geschönt dar.

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