Die S-Bahn zwischen Friedrichsdorf und Frankfurt am Main Südbahnhof (S5) fährt vor der Kulisse der Frankfurter Skyline vorbei.
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Interview - Mobilitätsforscher: Nahverkehr muss sich dauerhaft ändern

Das 9-Euro-Ticket hat am Pfingstwochenende deutschlandweit zu vollen Zügen geführt. Die Bilanz sei unterm Strich aber positiv, sagt Verkehrsforscher Andreas Knie. Damit Menschen anhaltend aufs Auto verzichten, müsse der ÖPNV aber dauerhaft so unkompliziert nutzbar werden.

Dass es an Pfingsten voll werden würde, sei zu erwarten gewesen, sagt Knie. Grund dafür sei nicht nur das 9-Euro-Ticket, sondern auch der Nachholbedarf nach zwei Jahren Pandemie und das gute Wetter. Die Bilanz sei unterm Strich positiv, so der Mobilitätsforscher.

Menschen haben Interesse am Nahverkehr, wenn er einfach zu nutzen ist

 

Um einen bleibenden Wandel voranzubringen, seien drei Monate 9-Euro-Ticket nicht ausreichend, betont Knie. "Aber es zeigt eben, wie attraktiv ein Nahverkehr sein kann, wenn er denn einfach zu verstehen ist und einfach zu benutzen ist." Man sehe, dass einige Menschen durchaus Interesse hätten, den Nahverkehr zu nutzen. "Dafür müsste er sich aber insgesamt natürlich dauerhaft ändern", sagt Knie.

Die Hoffnung sei, dass die Menschen nach drei Monaten 9-Euro-Ticket eine Rückkehr zu den komplizierten Tarifstrukturen nicht mehr akzeptieren und dann neue Wege gefunden würden. Wichtig sei vor allem die Einfachheit. "Das kennen wir vom Auto, da müssen wir auch nicht nachdenken, da fahren wir einfach, und so muss es auch im Nahverkehr und auch im Fernverkehr sein", sagt der Verkehrsforscher. Zudem müssten Verbindungen verbessert werden – etwa durch On-demand-Dienste – damit auch Menschen, die auf dem Land leben, mit dem ÖPNV von der Haustür bis ans Ziel kommen.