Archivbild eines Raketenwerfers vom Typ "Mars" (Mittleres Artillerie-Raketen-System) (Bild: dpa)
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Interview - Waffenlieferungen: Schmaler Grat für den Westen

Deutschland hat der Ukraine die Lieferung weiterer schwerer Waffen zugesagt. Durch die militärische Unterstützung wolle der Westen verhindern, selbst zur Kriegspartei zu werden, sagt Matthias Dembinski von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Trotzdem bleibe das Risiko einer weiteren Eskalation bestehen.

Die Waffenlieferungen aus Deutschland könnten der Ukraine zwar helfen. Der militärische Effekt sei jedoch wahrscheinlich überschaubar, so Dembinski.

Der Westen verfolge mit den Waffenlieferungen zwei Ziele: Einerseits solle die Ukraine den Krieg nicht verlieren. Andererseits wolle man selbst nicht zur Kriegspartei werde. "Das ist ein schmaler Grat, auf dem der Westen sich mit diesen Waffenlieferungen bewegt, und da kann man auf beiden Seiten herunterfallen", sagt Dembinski.

Dembinski: Russland hat große Vorteile

 

Was sich im Donbass jetzt abspiele, sei ein Abnutzungskrieg. "Es geht jetzt um die Frage, wer hat die größten Ressourcen, wer hat den längeren Atem", sagt Dembinski. In dieser Situation spiele weitreichende Artillerie eine große Rolle. Hier habe Russland erhebliche Vorteile. Im Moment sei nicht abzusehen, dass die Ukraine in diesem Krieg die Oberhand gewinnen könnte, so der Konfliktforscher.

Eine Verhandlungslösung sei das einzig vorstellbare Szenario, um den Krieg in der Ukraine zu beenden. "Die Kriegsparteien sind dann bereit zu Verhandlungen, wenn sie merken, sie sind in einem militärischen Patt, sie kommen nicht mehr weiter", sagt Dembinski. Leider sei man von diesem Punkt noch entfernt. "Sowohl Russland als auch die Ukraine gehen nach wie vor davon aus, dass sie ihre Situation militärisch verbessern können", sagt Dembinski.

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