Am Flughafen Amsterdam-Schiphol warten hunderte Reisende in langen Schlangen auf ihre Abfertigung (Bild: dpa / Evert Elzinga)
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Interview - Luftfahrtexperte: "Es fehlen Mitarbeiter für essenzielle Dienste"

Mehreren internationalen Flughäfen droht wegen Personalmangel die Überlastung. Luftfahrtexperte Cord Schellenberg erklärt, warum die Airlines nach Corona nicht in der Lage sind, schnell neue Mitarbeiter für die Sicherheitsbereiche zu finden.

An vielen Flughäfen fehlten Mitarbeiter für essenzielle Dienste wie etwa für die Sicherheitskontrolle und das Be- und Entladen des Gepäcks, erklärt Cord Schellenberg, Luftfahrtexperte und Kenner der Reisebranche. Das Kurzarbeitergeld in der Corona-Zeit sei für die Mitarbeiter über die lange Zeit zu wenig gewesen, so dass viele den Beruf verlassen hätten.

Nun seien die Airlines nicht in der Lage, diese Lücke mit neuen Mitarbeitern aufzufüllen. "Um in diesem Sicherheitsbereich zu arbeiten, braucht man nicht nur ein tadelloses Führungszeugnis, sondern man braucht auch zehn Jahre rückwärts Kontrollen um nachzuweisen, wo man gewohnt hat." Diese Nachweise beizubringen, sei besonders für Menschen aus anderen Ländern eine bürokratische Grenze.

Schellenberg: Schwierig für Fluggesellschaften im Sommer ein hohes Angebot, im Winter ein geringes

 

Dass die Airline Easyjet angekündigt hat, ihr Angebot am Flughafen BER zum Winter zu reduzieren, sei überraschend, so Schellenberg. Das passe nicht unbedingt dazu, dass der Airline aktuell Mitarbeiter fehlten. Allerdings sei die Planung für die Fluggesellschaften zum Herbst und Winter aufgrund möglicher neuer Corona-Varianten und einer daraus resultierenden Verringerung des Flugverkehrs schwierig. "Wir alle wissen ja nicht, was passiert im Herbst, Winter."

Laut Schellenberg stehen die Airlines vor der Herausforderung, wie sie damit umgehen, dass sie im Sommer ein hohes Angebot und im Winter ein geringes bewältigen müssten. "Wo sollen diese europäischen Fluggesellschaften ihre Flugzeuge, ihr Personal im Winter denn einsetzen?"