Der ehemalige Bundeskanzler und bisherige Aufsichtsratschef des russischen Ölkonzerns Rosneft, Gerhard Schröder (SPD)
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Interview - Politologe Lucke: Schröder knickt vor Druck ein

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) will den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft verlassen. Politologe Albrecht von Lucke nimmt an, dass Schröder damit zwar dem äußeren Druck nachgibt, aber nicht wirklich auf Distanz zu Präsident Putin geht.

Regierungssprecher Hebestreit hat überrascht auf den Schritt Schröders reagiert. Der Politologe Albrecht von Lucke kann das nachvollziehen: "Ja, in gewisser Weise kann man das sein. Dass die Bundesregierung es ist, wundert mich auch nicht. Denn Kontakt zwischen Olaf Scholz und Schröder gibt es meinem Eindruck nach schon lange nicht mehr. Man kann es aber tatsächlich sein, weil Schröder sich ja bis zuletzt verwahrt hat gegen eine Einschränkung seiner Tätigkeiten für Putin."

Sinneswandel wegen Sanktionen?

 

Albrecht von Lucke hält einen Zusammenhang zur Sanktionsandrohung durch die EU für denkbar. Allerdings sei der Schritt Schröders dann aber nicht konsequent genug: So "wäre dann natürlich konsequenterweise die Aufgabe sämtlicher Posten für Gazprom und andere notwendig gewesen. So wird diese Drohung weiter über Schröder hängen", meint von Lucke.

Schröder bleibt sich treu

 

Dass Schröder auch inhaltlich auf Distanz zu Russlands Präsident Putin gehen will, bezweifelt von Lucke: "Er bringt keinerlei Distanz zu Putin zum Ausdruck. Und diese Eigenwilligkeit von Schröder ist völlig typisch für ihn. Denken wir an seine Abschieds-Musik: "I do it my way"! Schröder hat immer ganz klar gesagt, ich will gar kein Altkanzler sein. Ich bin jetzt Privatmann."