Studentenleben
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Interview - Studentenvertreter Danaii: "Viele Studierende waren schon vor Corona arm"

Fast ein Drittel aller Studierenden in Deutschland lebt in Armut, das zeigt eine aktuelle Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. Daryoush Danaii vom "freien zusammenschluss von student*innenschaften" sieht strukturelle Probleme, die durch Corona noch verschärft wurden.

Laut einer neuen Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes leben rund 30 Prozent der Studierenden in Deutschland in Armut. Sie haben im Schnitt rund 800€ im Monat zur Verfügung. Auch Daryusch Danaii, Vorstandsmitglied im "freien zusammenschluss von student*innenschaften" hört immer mehr Erzählungen von Geldproblemen.

"Es ist nicht unüblich, dass man im Freundeskreis, auch wenn das leider immer noch tabuisiert ist, über finanzielle Herausforderungen spricht." Danaii nennt die hohen halbjährigen Semestergebühren, die Folgen der Corona-Pandemie und die gestiegenen Lebenserhaltungskosten als Gründe für die Armut unter den Studierenden. Dass sorge neben dem Arbeits- und Prüfungsstress für eine große Belastung der Betroffenen.

Strukturelle Gründe für Armut unter den Studierenden

 

Die hohe Anzahl von armen Studierenden sei aber nicht nur auf die Pandemie zurückzuführen. So würden in der Gesamtbevölkerung nur 16% unterhalb der Armutsgrenze leben. Dass unter den Studierenden fast doppelt so viele von Armut betroffen sind, müsse deswegen auch auf strukturelle Ursachen zurückzuführen sein, sagt Danaii.

Also Grund nennt der Studierendenvertreter die zu hohen Hürden, um BAföG zu bekommen. Aktuell würden nur noch etwa 10% der Studierenden BAföG erhalten. "Das BAföG muss elternunabhängiger werden." Außerdem müsse auch der Zuschussanteil erhöht werden, "weil ja gerade die von Armut betroffenen Studierenden, die das BAföG brauchen, dann nicht noch in diese Verschuldungsfalle tappen dürfen."