"Zensus 2022" steht auf einem Tablet im Bayerischen Landesamt für Statistik, mit dem Erhebungsbeauftragte des Zensus, die Befragungen vor Ort durchführen.
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Interview - Deutschland zählt: Der "Zensus 2022" ist gestartet

Seit Montag läuft der "Zensus 2022": Millionen zufällig ausgewählte Haushalte werden online oder persönlich befragt - nach Alter, Geschlecht, Familienstand. Ziel sei es, den Bedarf für die Bürger zu ermitteln, erklärt Katja Wilke vom Statistisches Bundesamt.

Es seien alle Vorkehrungen getroffen, um den Datenschutz zu gewährleisten, erklärt Katja Wilke, die den "Zensus 2022" beim Statistisches Bundesamt leitet. "Die Ergebnisse sind natürlich auch dazu da, unsere Lebensbedingungen bestmöglich über die Politik neu entscheiden zu lassen. Also, brauchen wir mehr Straßen, Kitas etc.?"

Dabei interessieren laut Wilke den Staat keine Einzeldaten von Personen, sondern das Gesamtergebnis. Dafür würden etwa 10 Millionen Personen befragt. Neben der Ermittlung des Bedarfs an Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen spielen die Ergebnisse auch eine Rolle für Wahlkreiszuschnitte oder Bund-Länder-Finanzausgleiche. Außerdem ergeben sich daraus auch Diskussionen für EU-Richtlinien - etwa für Fördermittel. "Alle europäischen Länder melden an die EU ihre Ergebnisse", sagt Katja Wilke

Hintergrund

Zensus 2022 gestartet -

In Deutschland wird zum ersten Mal seit elf Jahren wieder eine Volkszählung durchgeführt.

Seit Montag befragen Vertreter der Statistik-Ämter zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zu ihrer Person, zu Bildung, Beruf und Wohnsituation. Außerdem müssen alle Eigentümerinnen und Eigentümer von Immobilien Auskunft geben.

Die Teilnahme ist verpflichtend. Andernfalls drohen nach mehrmaliger Erinnerung Zwangs- oder Bußgelder.

Bis Mitte August sollen die Erhebungen abgeschlossen sein. Die Ergebnisse sollen ab November 2023 vorliegen.

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