Eine 86-jährige Frau trauert in Irpin am Grab ihres Sohnes.
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Interview - Ukraine: Geständnis im ersten Kriegsverbrechen-Prozess

Im ersten Prozess wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen in der Ukraine hat der 21-jährige Angeklagte am Mittwoch in Kiew ein Geständnis abgelegt. Es sei gut, dass es einen solchen Prozess "nach so kurzer Zeit" gibt, sagt Wenzel Michalski, Direktor des Deutschlandbüros von Human Rights Watch: "Das gibt den Opfern Hoffnung."

Der Prozess zeige, dass es möglich ist, Gerechtigkeit walten zu lassen, sagt Michalski. "Was natürlich jetzt besonders wichtig ist: Dass dieser Kriegsverbrecherprozess nach allen rechtsstaatlichen Regeln gut funktioniert, dass es transparent ist und dass es hier keine Rachejustiz ist." Es gehe einerseits darum, das Gerechtigkeitsbedürfnis der Opfer und Überlebenden zu stillen und andererseits um eine abschreckende Wirkung für andere russische Soldaten, betont der Direktor von Human Rights Watch Deutschland.

Der Prozess hatte am Freitag begonnen. Bei dem Verfahren handelt es sich um den ersten Kriegsverbrechensprozess gegen ein Mitglied des russischen Militärs seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Dem 21-Jährigen wird vorgeworfen, einen 62-jährigen Ukrainer in dem nordöstlichen Dorf Tschupachiwka in der Region Sumy am 28. Februar durch ein offenes Autofenster mit einem Kopfschuss getötet zu haben. Ihm droht eine lebenslange Haftstrafe.

Die ukrainische Generalstaatsanwältin Iryna Wenediktowa hatte zuvor gesagt, ihr Büro bereite Kriegsverbrechensverfahren gegen 41 russische Soldaten vor. Zu den Vorwürfen gehöre die Bombardierung ziviler Infrastruktur, die Tötung von Zivilisten, Vergewaltigung und Plünderung. Es war zunächst unklar, wie viele der Verdächtigen sich in der Hand der Ukraine befanden und wie viele in Abwesenheit verurteilt werden könnten.

(mit Material von AP)

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