Wahlplakate der Parteien zur NRW-Wahl 2022 zeigen die Portraits der Spitzenkandidaten Mona Neubaur Grüne, Thomas Kutschaty SPD und Joachim Stamp FDP.
Bild: IMAGO / Panama Pictures

Interview - Politologe zur NRW-Wahl: "Es läuft auf Schwarz-Grün hinaus"

Besonders das gute Abschneiden der Grünen bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen werde dazu führen, dass die Politik grüner werde, sagt der Politologe Stefan Marschall. Zudem analysiert er, was die Ergebnisse für die anderen Parteien bedeuten und was sie über die Wählerschaft aussagen.

Das Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl sei nicht ganz überraschend, aber dennoch beachtlich, sagt Stefan Marschall, Politikwissenschaftler an der Universität Düsseldorf: "Dass die Grünen es geschafft haben, ihr Ergebnis von der letzten Wahl zu verdreifachen, das ist schon ein Sprung nach oben."

Politologe Marschall: "Die Grünen haben das Thema, das läuft. Und ihnen wird Kompetenz zugeschrieben"

 

Insgesamt werde die Politik im Land grüner werden, etwa dabei den Klimawandel zu stoppen und die Erneuerbaren Energien zu fördern. Auch wenn mehrere Optionen für eine Koalitionen möglich wären, läuft es nach Einschätzung des Politikwissenschaftlers auf eine schwarz-güne Koalition in Nordrhein-Westfalen hinaus. Darauf deuteten Aussagen beider Parteien vor und nach der Wahl hin.

Der Sieg für die CDU sei eine gute Botschaft für die Partei nach dem Abschneiden bei der Bundestagswahl. Für Bundeskanzler Olaf Scholz sei das Abschneiden der SPD "eine kleine Klatsche", so Stefan Marschall. Die Verluste der FDP wirkten sich zudem auch auf die Ampelkoalition aus.

"Die Wählerinnen und Wähler sind unberechenbarer geworden."

 

Die Wahl zeige zudem, dass es bei den Wählerinnen und Wählern sehr viel Bewegung gebe und die Rahmenbedingungen vor Ort sowie die weltpolitische Lage Auswirkungen hätten. Daher sei eines klar: "Die Wählerinnen und Wähler sind unberechenbarer geworden."

Hintergrund

Ergebnis der NRW-Wahl -

Laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis hat die CDU bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zugelegt und ist mit 35,7 Prozent der Stimmen stärkste Kraft. Die SPD verlor deutlich und kommt auf 26,7 Prozent. Die Grünen haben ihr Ergebnis auf 18,2 Prozent fast verdreifacht.

Die bislang mitregierende FDP sackte auf 5,9 Prozent ab. Die AfD verlor ebenfalls und kommt auf 5,4 Prozent. Die Linke scheiterte mit 2,1 Prozent erneut an der Fünf-Prozent-Hürde.

Neben Schwarz-Grün wären auch eine Große Koalition oder ein Bündnis aus SPD, Grünen und FDP möglich.

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