Frauen halten bei einer Kundgebung vor Beginn eines Berufungsprozesses gegen die Gießener Ärztin Hänel am Landgericht Plakate mit der Aufschrift «Frauen Vertrauen» und «Rücksicht auf Frauen statt auf die Union!»
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Interview - Frauenärzteverband fordert erneut: Paragraph 219a streichen

Der Berufsverband der Frauenärzte hat sich erneut für eine Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen ausgesprochen. Das sei für die Frauen, die sich mit ihrer Schwangerschaft ohnehin schon in einer Konfliktsituation befänden, sehr wichtig, sagt Christiane Wessel, Berliner Landesvorsitzende des Verbandes.

Mit einer Abschaffung des Paragraphen könnten Betroffene relativ einfach - nämlich online - Informationen darüber bekommen, wer in ihrer Wohnnähe Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, so Wessel. Es würde sich nichts daran ändern, dass die Frauen zunächst in eine Beratungsstelle gehen, die über die Abtreibung informiert, erklärt die Landesvorsitzende des Frauenärzteverbandes. "Da sind die gesetzlichen Vorgaben ja ganz eindeutig."

Wichtig sei auch, zwischen "Information" und "Werbung" zu unterscheiden, betont Wessel. Werbung würde aus ihrer Sicht heißen, dass eine Schwangere in einer Konfliktsituation zu einem Abbruch bewegt werden soll - möglicherweise aus kommerziellen Zwecken. "Das kann halt passieren, wenn wir es zulassen, dass renditeorientierte Unternehmen das Gesundheitswesen weiter überrollen", sagt Wessel, "aber nicht, wenn die Schwangere einfach nur informiert wird."

Debatte im Bundestag


Das Thema sei insgesamt sehr emotional und dass lasse sich auch nur schwer ändern, so die Landesverbandschefin. "Und ich glaube, man muss auch jedem seine Einstellung zu dem Thema lassen." Nötig sei eine neue Herangehensweise, so Wessel. Ungewollte Schwangerschaft müssten vermieden werden, damit Abtreibungen gar nicht nötig würden - etwa durch "wertfreie Informationen zur Verhütung" für Mädchen und junge Frauen in der Schule.

Eine mögliche Abschaffung des Paragraphen 219a wurde am Freitag im Bundestag debattiert. Bundesjustizminister Marco Buschmann hat die geplante Aufhebung des Paragraphen 219 a im Strafgesetzbuch verteidigt. Das geltende Werbeverbot für Schwangerschaftsabbrüche sei absurd, sagte der FDP-Politiker. Es gehe darum, dass Frauen informierter entscheiden können. Kritik kam von der Union. Die CDU-Politikerin Nina Warken sagte, es gebe ausreichend Beratungsmöglichkeiten. Zusätzliche Werbung brauche es nicht.