Ein kleines Mädchen geht durch das Yasmine Flüchtlingscamp im Bekka Tal im Libanon.
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Interview - Geflüchtetenhelferin Flory: "Die Menschen im Libanon werden völlig allein gelassen"

In Brüssel findet am Dienstag eine Geberkonferenz für Syrien statt. Tausende Menschen, die aus dem Land geflohen sind, leben noch immer in Zeltlagern, vor allem im Libanon. Jacqueline Flory vom Verein "Zeltschule" fordert deswegen ein Umdenken bei der Verteilung der Hilfsgelder.

Überschattet vom Krieg in der Ukraine findet am Dienstag in Brüssel eine Geberkonferenz für die Geflüchteten aus Syrien statt. In den Camps für Geflüchtete in der Türkei und im Libanon leben immer noch unzählige Menschen unter verheerenden Bedingungen.

Jaqueline Flory gründete 2016 in einem der Camps in der libanesischen Bekaa-Ebene eine Schule in einem Zelt. Mit ihrem Verein Zeltschule hat die Dolmetscherin inzwischen 40 Zeltschulen errichtet, an denen über 10.000 Kinder von ebenfalls geflohenen syrischen Lehrern nach syrischem Lehrplan unterrichtet werden.

Umdenken bei den Hilfsgeldern

 

"Das ist für den allergrößten Teil der syrischen Kinder im Libanon die einzige Chance, nicht im Analphabetismus aufzuwachsen. Weil die Menschen im Libanon völlig allein gelassen werden." Erschwerend komme noch hinzu, dass es zwar erwachsenen syrischen Geflüchteten verboten sei, im Libanon zu arbeiten, syrischen Kindern jedoch nicht, erklärt Flory. "Damit Familien überhaupt überleben können, müssen sie ihre Kinder zur Arbeit schicken."

Das größte Problem bleibe aber der libanesische Staat, der keinerlei Interesse daran habe, den Geflüchteten zu helfen. Weil alle offiziellen Hilfsgelder, die vom Westen bereitgestellt werden, über die libanesische Regierung laufen müssten und oftmals dort versickern würden, fordert die Geflüchtetenhelferin einen neuen Ansatz. "Was es bedürfte, ist ein Umdenken der EU, dass man nicht Gelder an die Regierung des Landes fließen lässt, sondern an kleine Organisationen vor Ort."