24.2.2022: Alle Flaggen vor dem Museum Karlshorst sind bis auf die ukrainische abgenommen und der Zusatz "Deutsch-Russisches" vor dem Museum abgeklebt (Bild: picture alliance/dpa)
Bild: pa

Interview - Direktor Morré: Ukraine-Krieg ändert das Gedenken

Am ersten Tag des russischen Angriffs auf die Ukraine hat das Deutsch-Russische Museum in Berlin-Karlshorst Konsequenzen gezogen: Es kehrte zu seinem ursprünglichen Namen "Museum Berlin-Karlshorst" zurück. Direktor Jörg Morré sagt, es ging darum, "das Ungleichgewicht in Richtung russische Föderation sichtbar zurückzunehmen".

In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 kapitulierte die Wehrmacht bedingungslos und damit war das Ende des Zweiten Weltkriegs besiegelt. Unterzeichnet wurde diese Kapitulationserklärung in Berlin-Karlshorst - der Ort wurde zum Museum.

Zuletzt wehten vor dem Gebäude eigentlich immer vier Fahnen, sagt Museumsdirektor Jörg Morré: Die russische, die belarussische, die ukrainische und die deutsche. Das seien die vier Nationen, die seit rund 30 Jahren für das Museum in einem Verein zusammenarbeiten. Nun ist dort nur noch eine Fahne zu sehen, nämlich die ukrainische - aus Solidarität, erklärt Morré.

Beginn des Kriegs als Zäsur


Außerdem wurde der Name des Museums teilweise abgeklebt: Die Worte "Deutsch-Russisches" sieht man nun nicht mehr. Der Name stammt daher, dass die Zusammenarbeit des Vereins ursprünglich binational war - nämlich deutsch und russisch. Dann kamen aber Belarus und die Ukraine dazu.

"Das bekam natürlich 2014 mit der Annexion der Krim schon einen Riss", erzählt Morré. "Die ukrainischen Kollegen hatten doch große Schwierigkeiten, unter diesem Namen die Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten - haben es aber geschafft." Der erste Kriegstag sei dann aber eine eindeutige Zäsur gewesen, die zur Namensänderung geführt habe.

Mit dem Krieg ändere sich auch das Gedenken an das Ende des Zweiten Weltkriegs, meint der Museumsdirektor: "Wir als Historiker sagen natürlich immer: Die Geschichte ändert sich nicht. Aber selbstverständlich ändert sich der Blick auf die Geschichte. Und damit ändert sich auch das Gedenken."

Auch auf rbb24inforadio.de

Zeitzeugin Ruth Winkelmann hat den Holocaust überlebt
dpa-Zentralbild

Vis à vis - Ruth Winkelmann: Erinnerungen an das Ende eines Krieges

Ruth Winkelmann ist Jüdin und überlebte den Zweiten Weltkrieg in Berlin. In diesen Tagen - kurz vor dem Jahrestag der Befreiung am 8. Mai 1945 - sind die Erinnerungen der 93-Jährigen besonders wichtig. Denn in Europa herrscht wieder Krieg. Von Oliver Noffke

"World help us" steht am mit Sandsäcken geschützten Denkmal der Fürstin Olga in der Innenstadt von Kiew.
dpa

Russischer Angriff - Krieg in der Ukraine

Seit Ende Februar herrscht Krieg in Europa: Russland greift die Ukraine militärisch an. Im ganzen Land stehen die Städte immer wieder unter Beschuss. Mehrere Millionen Menschen sind auf der Flucht. Inforadio begleitet die Entwicklung und erklärt Hintergründe in Interviews, Reportagen und Podcasts.