Das Oberlinhaus in Potsdam
Bild: AP

Interview - Ein Jahr nach Morden im Oberlin: Auch strukturelle Probleme

Vor einem Jahr ermordete eine Pflegerin im Potsdamer Oberlinhaus vier Menschen mit Behinderung. Die Gewalttat erregte deutschlandweit Aufsehen. Constantin Grosch, Projektleiter der Recherche "Ableismus tötet", sagt: Es muss sich struktuell etwas ändern - für Pflegende und Bewohner.

Am 28. April 2021 tötete eine Pflegerin vier Menschen mit Behinderung und verletzte eine Person schwer. Das geschah in der Einrichtung Oberlinhaus in Potsdam. Die Täterin wurde inzwischen zu 15 Jahren Haft verurteilt – wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Forderung nach Rückzugsorten

 

Constantin Grosch vom Verein Sozialhelden e.V. und Projektleiter der Recherche "Ableismus tötet" sagt, in solchen Einrichtungen sei mehr externe Begutachtung notwendig. Es gebe viele strukturell Bedingte Probleme. Etwa gebe es oft "keinen Rückzugsort".

Selbstbestimmung und individuelle Teilhabe stärken

 

"Auch Pflegekräfte sind Opfer der Bedingungen", meint Grosch. Sie hätten kaum Raum für Individualität und eine hohe Arbeitsbelastung. Ebenso wie für die Bewohnerinnen und Bewohner gelte es hier, die Selbstbestimmung und individuelle Teilhabe zu stärken.