Gestelltes Symbolfoto, Altersarmut - Eine Frau greift beim Flaschensammeln in den Mülleimer (Bild: picture alliance/ Bildagentur-online)
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Interview - Armutsforscher: Sozial Benachteiligte sind immer weniger politisch vertreten

In Frankreich haben 40 Prozent der Menschen Rechtsaußen gewählt. Auch in Deutschland spaltet sich die Gesellschaft immer weiter auseinander. Wie soziale Benachteiligung und Wahlverhalten zusammenhängen, erklärt der Sozialforscher Christoph Butterwegge.

Auch die Gesellschaft in Deutschland falle immer mehr auseinander, sagt der Politikwissenschaftler und Armutsforscher Christoph Butterwegge. Das habe bereits die Corona-Pandemie gezeigt. "Die Teuerungswellen in Folge des Ukraine-Krieges werden natürlich auch dazu beitragen, dass diese Kluft zwischen arm und reich sich weiter vertieft."

Wie in Frankreich gebe es eine ähnliche Enttäuschung über die etablierten Parteien. In Deutschland fange der Sozialstaat allerdings mehr auf. Dennoch seien die Interessen der sozial Benachteiligten politisch immer weniger vertreten. Laut dem Sozialforscher nehmen Wirtschaftslobbisten deutlich mehr Einfluss auf die Politik, Arme werden hingegen kaum bedacht.

Sozialforscher: Arme sind nicht mehr in Willensbildungs- und Entscheidungsprozess eingebunden

 

Butterwegge spricht von einer "politischen Repräsentationskrise". Denn arme Menschen neigen dazu, kaum noch wählen zu gehen. "Im strengen Sinne ist das keine Demokratie", erklärt der Forscher. Das demokratische Systen beruhe auf dem Repräsentationsprinzip, "dass alle Bevölkerungsschichten gleichermaßen in den Willensbildungs- und Entscheidungsprozess eingebunden sind. Und das sind die Armen nicht mehr", so Christoph Butterwegge.