Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und die rechtsextreme Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen vor ihrem TV-Duell (Bild: dpa / Ludovic Marin)
dpa / Ludovic Marin
Bild: dpa / Ludovic Marin Download (mp3, 8 MB)

Interview - Rechtsextreme Kandidatin in Stichwahl ist "neue Normalität"

Vor der Stichwahl am Sonntag zwischen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seiner rechtsextremen Herausforderin Marine Le Pen gibt es keinen klaren Favoriten. Alles hänge nun davon ab, wie sich die Unterstützer des ausgeschiedenen linken Kandidaten Jean-Luc Mélenchon verhalten, sagt Jules Hebert aus dem Pariser Büro der Heinrich-Böll-Stiftung.

Macron liege in den Umfragen zwar vorne, sicher sei der Wahlsieg aber noch nicht, so Hebert. Marine Le Pen habe so gute Werte wie noch nie eine rechtsextreme Kandidatin zuvor vor dem zweiten Wahlgang.

Entscheidend für den Ausgang der Wahl seien vor allem die Wählerinnen und Wähler des im ersten Wahlgang ausgeschiedenen Kandidaten Jean-Luc Mélonchon. "Es sollte nicht unterschätzt werden, dass es für viele dieser Wähler das zweite Mal infolge oder sogar das dritte Mal in 20 Jahren demokratischen Lebens ist, dass sie für einen Kandidaten stimmen müssen, dessen Idee und Programm sie nicht teilen, um eine andere Kandidatin zu blockieren, die eine Rechtsextremistin ist", sagt Hebert. Das erzeuge eine gewisse Müdigkeit und könne dazu führen, dass ein Teil dieser Wählerinnen und Wähler gar nicht wählen gehe.

Rechtsruck im Wahlkampf

 

Dass überhaupt eine rechtsextreme Kandidatin in der Stichwahl stehe, führe in Frankreich inzwischen zu weniger öffentlicher Entrüstung als noch vor Jahren. "Es ist eine Art neue Normalität", sagt Hebert. Im aktuellen Wahlkampf habe einen Rechtsruck mit sich gebracht, auch durch den weiteren rechtsextremen Kandidaten Éric Zemmour, der in der Öffentlichkeit sehr präsent gewesen sei.