Die russische Söldnertruppe "Gruppe Wagner" hat in Mali viele Anhänger
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Interview - SWP-Experte Tull: "Es ist ein russisches Interesse, die Peripherie Europas zu destabilisieren"

Obwohl der russischen "Gruppe Wagner" in Mali schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, kooperiert das malische Militär mit der privaten Söldnertruppe. Denis Tull von der Stiftung Wissenschaft und Politik glaubt trotzdem weiter an die Bedeutung des Bundeswehreinsatzes in Mali.

Gemeinsam mit der russischen Söldnertruppe "Gruppe Wagner" soll das malische Militär schwere Menschenrechtsverletzungen begangen haben. Angesichts neuer Berichte über verübte Massaker wird in Deutschland über die Verlängerung der Bundeswehrmissionen in Mali diskutiert. Deutsche Soldaten sind in Mali sowohl an einer Stabilisierungsmission der UNO als auch an einer Ausbildungsmission der EU beteiligt. Doch die Mandate für den Einsatz der Bundeswehr enden im Mai.

Bei den Bundeswehrmissionen in Mali gehe es sowohl um die europäische Solidarität mit Staaten wie Frankreich, die die Stabilität Malis zur Priorität erklärt haben, als auch um die Abwehr von Migration, erklärt Denis Tull, Sahel-Experte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. Es gebe daher weiterhin ein deutsches Interesse für die Fortsetzung der Missionen.

Ausbildungsmission "ethisch und politisch kaum vertretbar"

 

Doch aufgrund der Forderung von Staaten wie Frankreich und Deutschland, dass die Militärregierung in Mali abtreten und das Land zu einer demokratischen Grundordnung zurückkehren solle, sei das Verhältnis zwischen Mali und Europa derzeit sehr angespannt, sagt Tull. "Das hat auch dazu geführt, die Kooperation mit Russland verstärken zu wollen und die mit Frankreich beenden zu wollen."

Trotzdem könne zumindest die Mission der UNO weiter zur Stabilisierung des Landes beitragen und die Rückkehr zu demokratischen Wahlen begleiten, so Tull. Eine Fortsetzung der Ausbildungsmission der Bundeswehr, bei der dann ausgebildete malische Soldaten mit der russischen "Gruppe Wagner" Menschenrechtsverletzungen begehen, sei dagegen "ethisch und politisch kaum vertretbar." Da es jedoch ein russisches Interesse sei, die Peripherie Europas zu destabilisieren, müsse sich Deutschland weiter in Mali engagieren.

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