Der Aktenordner des Bundestagsabgeordneten de Masi (Die Linke) mit Fahndungsfotos des früheren Wirecard-Finanzvorstands Jan Marsalek ist im Sitzungssaal des Untersuchungsausschusses zur Wirecard-Affäre zu sehen (Bild: dpa / Kay Nietfeld)
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Interview - Staatssekretär Toncar: "Die Bedingungen für eine Auslieferung von Jan Marsalek sind nicht gut"

Die Münchner Justiz will von Russland die Auslieferung des ehemaligen Wirecard-Vorstands Jan Marsalek fordern. Florian Toncar, FDP-Staatssekretär im Finanzministerium, glaubt, dass Russland schon länger ein Interesse daran hat, Marsalek von deutschen Behörden fernzuhalten.

Die Wirecard-Affäre ist einer der größten Wirtschaftsskandale der deutschen Geschichte. Mehrere frühere Manager des Finanzdienstleisters, denen Bilanzfälschung von mindestens 1,9 Mrd. Euro vorgeworfen wird, stehen vor Gericht. Doch einer fehlt. Wirecard-Vorstandsmitglied Jan Marsalek soll in Moskau untergetaucht sein. Die deutsche Justiz soll deswegen an einem Auslieferungsantrag arbeiten.

"Jan Marsalek ist einer der Haupttäter, die sich das über Jahre ausgedacht und ausgeführt haben", sagt Florian Toncar, Staatssekretär im Finanzministerium und ehemaliger FDP-Obmann im Wirecard-Untersuchungsausschuss. Tatsächlich habe es schon länger Hinweise darauf gegeben, dass sich Marsalek in Moskau aufhalte. "Er spricht fließend russisch, war ständig dort und pflegt auch Kontakte zu nachrichtendienstlichen Milieus."

Will Russland Marsalek von deutschen Behörden fernhalten?

 

Eine mögliche Auslieferung Marsaleks dürfte jedoch schwierig werden, glaubt der FDP-Politiker. "Wenn Marsalek seit seiner Flucht, die zwei Jahre her ist, wenn der meistgesuchte Kriminelle Deutschlands noch nicht wieder hier ist, spricht das dafür, dass Russland auch schon vor dem Ukraine-Krieg ein Interesse daran hatte, Herrn Marsalek von deutschen Behörden fernzuhalten."

Die Bedingungen für eine Auslieferung seien nicht gut, weiß Toncar, "und sie sind durch den Krieg und die dramatische Verschlechterung der Beziehungen nicht besser geworden." Trotzdem sei Russland verpflichtet, international gesuchte Kriminelle zu überstellen. Dafür bräuchten die deutschen Behörden jedoch einen langen Atem. "Das wird jetzt nicht in den kommenden Wochen und Monaten zu erwarten sein."