Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender
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Interview - Sicherheitsexperte Ischinger: Diplomatisches Schlamassel

Der ukrainische Präsident Selenskyj will Bundespräsident Steinmeier nicht empfangen – wirft ihm zu große Nähe zu Moskau vor. Wolfgang Ischinger, langjähriger Chef der Münchner Sicherheitskonferenz, hält den Vorgang für unglücklich. Er rät Berlin und Kiew zu einer stillen Diplomatie.

An einen Ausladungs-Vorgang, wie er Bundespräsident Steinmeier passiert ist, kann sich Sicherheitsexperte Wolfgang Ischinger nicht erinnern. Er würde Steinmeier aber deswegen nicht als "persona non grata" bezeichnen. Damit meine man in der Diplomatie etwas anderes. Nichtsdestotrotz sei dieser Vorgang unglücklich.

Praktiker der Diplomatie

 

Der Sicherheitsexperte kritisiert, dass die Ausladung "in die gegenwärtige Lage überhaupt nicht passt". Als Praktiker der Diplomatie, als der sich Ischinger bezeichnet, würde er Kiew und Berlin raten, von einer "Megafon-Diplomatie" Abstand zu nehmen und stattdessen stille Diplomatie zu betreiben, jenseits von Presseerklärungen. Beide Seiten müssten sich nun überlegen, wie sie weitermachen.

Cool-Down nötig

 

Aus der Sicht von Ischinger geht es nun um mehr als um eine diplomatische Verstimmung. Es gehe um den Krieg in der Ukraine und das Überleben der Ukraine. Dass Scholz nun vorerst nicht in die Ukraine reisen will, kann Ischinger nicht nur nachvollziehen, er findet es "begründbar" und "richtig", dass sich Scholz von der ukrainischen Führung nicht gegen den Bundespräsidenten ausspielen lasse.