Plakate der französischen Präsidentschaftskandidaten kleben in Paris
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Interview - Präsidentschaft: Frankreich wählt am Sonntag

Zwölf Kandidaten treten am Sonntag bei der Wahl an. Unter anderen treten der amtierende Präsident Emmanuel Macron und die Rechtspopulistin Marine Le Pen an. Wer Chancen auf den Sieg hat, erklärt Frank Baasner vom Deutsch-Französischen Instituts in Ludwigsburg.

Die Erwartungen an Macron seien anfangs sehr hoch und dementsprechend schwer zu erfüllen gewesen, so Baasner. "Dann hat er natürlich im Amt Dinge tun müssen, die nicht allen gefallen haben", so der Institutsdirektor. Ein Beispiel sei die Vermögenssteuer - die habe Macron "so gestaltet, dass sie den Wohlhabenden sehr wenig wehtut".

Das habe dazu beigetragen, dass er als "président de riches", also Präsident der Reichen, galt, erklärt Baasner: "Auch wenn das im Detail gar nicht so stimmt." Macron habe der Wirtschaft sehr gut getan, die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie lange nicht mehr - trotz Corona. "Die Jugendarbeitslosigkeit ist deutlich gesunken, Ausbildungsverträge sind en masse gemacht worden." Eigentlich habe der Präsident viel richtig gemacht.

"Le Pen hat ihr Image aufpoliert"


Jedoch gelte das auch für seine Konkurrentin Marine Le Pen vom Front National. "Sie hat sich einfach sehr geschickt ihr Image aufpoliert", sagt Baasner. "Sie hat die Extremisten aus der Partei rausgeschmissen, hat sich ganz anders aufgestellt - eben gar nicht mehr mit rassistischen Sprüchen." Sie sei damit für die konservativ eingestellten Menschen in Frankreich wählbarer geworden.

"Ich fürchte, das ist sehr viel Lack den sie sich übergetüncht hat", so Baasner. "Und dazu kommt natürlich auch noch, dass mit Éric Zemmour ein wirklich rechts-rassistischer Ausleger im Rennen ist." Dieser habe zwar kaum Chancen bei der Präsidentschaftswahl, könne aber dazu beitragen, dass mehr Menschen Le Pen wählen, weil sie eine neue Rolle übernehme.