Leere Plätze im Impfzentrum des Landkreises Harz in Quedlinburg (Bild: dpa / Matthias Bein)
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Interview - Ethiker Lob-Hüdepohl zur gescheiterten Impfpflicht: "Ein wichtiges Instrument ist damit aus der Hand"

Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung für eine Corona-Impfpflicht ab 60 Jahren ist im Bundestag gescheitert. Fast 380 Abgeordnete stimmten dagegen, nur rund 300 dafür. Andreas Lob-Hüdepohl, Mitglied des Ethikrates, ist entsetzt über die Entscheidung.

Die Bundesregierung ist mit ihrem Plan für eine allgemeine Impfpflicht am Bundestag gescheitert. Am Ende stimmten fast 380 Abgeordnete gegen den Gesetzesentwurf für eine Corona-Impfpflicht ab 60 Jahren, nur rund 300 Abgeordnete waren dafür.

Andreas Lob-Hüdepohl, Mitglied im Ethikrat, zeigt sich entsetzt über diese Entscheidung. "Ein ganz wichtiges Instrument einer vorrausschauenden Pandemiebekämpfung ist damit aus der Hand gegeben worden." Im Herbst könne es zu einer neuen Corona-Welle kommen. "Und niemand weiß, ob das Virus dann gefährlicher oder harmloser mutiert."

Weiter Hoffnung auf eine allgemeine Impfpflicht

 

Die Schuld an der gescheiterten Impfpflicht sieht Lob-Hüdepohl dabei bei allen Parteien des Bundestags. "Die FDP muss darüber nachdenken, dass die individuelle Freiheit nur gelebt werden kann, wenn sich alle auf ein funktionierendes Gesundheitssystem verlassen können." Und die Unionsfraktion habe ihre Oppositionsrolle vorgezogen, obwohl alle Unions-Ministerpräsidenten für eine Impfpflicht gewesen seien.

Der Ethiker hat die Hoffnung auf eine allgemeine Impfpflicht aber noch nicht aufgegeben. Das Scheitern der Impfpflicht sei auch dem geschuldet, dass es der Regierungskoalition von vornherein nicht gelungen sei, eine klare Position zu entwickeln. "Alle wissen, es muss eigentlich eine Regelung kommen und es ist schade, dass das jetzt an die Wand gesetzt wurde."