Soldaten des Wachbataillons beim Bundesministerium der Verteidigung werten im Gesundheitsamt Berlin-Mitte an Computern die Daten zur Corona-Kontaktverfolgung aus (Bild: dpa / Carsten Koall)
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Interview - "Wir haben es nicht geschafft, die Gesundheitsämter richtig auszustatten"

Die Corona-Pandemie hat in den deutschen Gesundheitsämtern große Versäumnisse bei der Digitalisierung offengelegt. Vor dem Jahrestreffen des Deutschen Beamtenbunds beklagt Ulrich Silberbach, der Bundesvorsitzende des DBB, insbesondere die fehlenden IT-Fachkräfte im öffentlichen Dienst.

Viele Corona-Infizierte machen immer noch die Erfahrung, dass sich die zuständigen Gesundheitsämter, wenn überhaupt, erst dann bei ihnen melden, wenn ihre Isolation schon fast vorbei ist. Nach wie vor fehlt es an Personal und an einer umfassenden Digitalisierung der Verwaltungsabläufe.

Auch nach 24 Monaten habe man es nicht geschafft, genügend Personal und technische Ausstattung in die Gesundheitsämter zu transportieren, kritisiert Ulrich Silberbach, der Bundesvorsitzende des Deutschen Beamtenbunds. "Deswegen haben wir leider immer noch die Situation, dass die Gesundheitsämter, wie viele andere Bereiche des öffentlichen Dienstes, massiv überfordert sind."

Fehlende IT-Expertise

 

Auch der Versuch, die Arbeitsabläufe in der Corona-Pandemie mit der gemeinsamen E-Health-Software Sormas zu erleichtern, sei schiefgelaufen, so Silberbach. "Das Programm ist so kompliziert, dass es keine Erleichterung für die Kollegen und Kolleginnen darstellt." Wenn man in einer Maske 16-mal die Namen händisch eingeben müsse, liege das Problem weniger bei denen die eingeben, als bei denen die programmiert haben.

"Allein auf Bundesebene fehlen uns über 20.000 IT-Fachkräfte. Wenn sie das herunterbrechen auf die Länder und Kommunen, wissen sie welcher Bedarf hier ist", sagt der Gewerkschaftsvorsitzende. Bei der Anstellung von IT-Fachleuten stehe man im Wettbewerb mit der Privatwirtschaft, den man mit den aktuellen Bezahlungskonditionen im öffentlichen Dienst jedoch nicht gewinnen könne.