Ein Bild der Verwüstung bei den Unruhen in Kasachstan
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Interview - Wie wirtschaftliche Unzufriedenheit in politische umschlägt

Die Bilder aus der kasachischen Metropole Almatí sind beunruigend: Polizeigewalt, Sturm auf und Aufruhr. Anlass für Proteste waren gestiegene Gaspreise. Doch die Unzufriedenheit im Land hat tiefere Ursachen, schildert Osteuropaexpertin Beate Eschment.

Der Anstieg der Treibstoffpreise sei der Funke für die Proteste gewesen, sagt die Osteuropaexpertin Beate Eschment vom Berliner Zentrum für Osteuropa-Studien ZOIS: "Tatsächlich besteht insgesamt eine große Unzufriedenheit, sowohl ökonomisch, als auch daraus folgend politisch". Beate Eschmént schildert, dass Kasachstan lange Zeit erfolgreich gewesen sei und sich auch eine Mittelschicht entwickelt habe.

Verpatzter Machtwechsel

 

Doch unter dem Eindruck steigender Lebensmittelpreise wüssten viele nicht, wie sie ihre Familien ernähren sollen: "Das ist das eine, was Menschen sehr unzufrieden macht", meint Eschment. Das Andere sei der Machtwechsel 2019 gewesen, bei dem der damalige Präsident Nasarbajew einen geregelten Übergang nach dutzenden Jahren an der Macht versucht habe. Doch in der Bevölkerung gebe es die Wahrnehmung, dass er auch heute noch die Fäden im Hintergrund ziehe.

Enttäuschte Hoffnungen

 

Die Osteuropaexpertin konstatiert: "Die Bevölkerung hat gehofft, dass sich politisch etwas ändern wird", aber unter dem Nachfolger Toqajew sei wenig geschehen. Der vorherige Präsident habe weiter entscheidende Ämter besetzt. Dass Toqajew Russland um Hilfe gebeten habe, lasse darauf schließen, dass er offenbar den einheimischen Sicherheitskräften nicht mehr zutraue, die Lage in den Griff zu bekommen.