Ukrainische Soldaten an der Grenze zu Russland
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Interview - Rüstungsexperte befürchtet Krieg in der Ukraine

Im Ukraine-Konflikt laufen diplomatische Bemühungen, um die Krise zwischen Russland, der Ukraine und der NATO zu entschärfen. Europa stehe vielleicht vor seiner schwersten sicherheitspolitischen Krise in diesem Jahrtausend, warnt der Friedensforscher Ulrich Kühn.

Der Politologe Ulrich Kühn begrüßt die stattfindenden Gespräche. Es sei richtig, dass man auf allen möglichen Kanälen miteinander spreche, sagt er: "Lieber ein Gespräch mehr führen als ein Gespräch zu wenig." Seiner Einschätzung nach könnte es in zwei bis drei Monaten zu einem Krieg in der Ukraine kommen. Eine Einschätzung, die auch viele Experten in Washington teilten.

Putin in Ecke manövriert

 

Hintergrund sei, dass sich Russlands Präsident Wladimir Putin sehr stark in eine Lage manövriert habe, in der er nur zwei Möglichkeiten habe. Entweder er bekomme von der NATO, was er wolle. Das seien feste Sicherheitsgarantien, am besten in Form von Verträgen, dass sich die NATO nicht weiter nach Osten ausdehne. Gleichzeitig sei offensichtlich, dass die NATO das Putin nicht geben könne und will, oder aber Putin müsse eskalieren. Das hieße, einen Krieg gegen die Ukraine zu starten: "Das wäre meiner Meinung nach ein Desaster".

Deutschlands Einfluss

 

Die Position Deutschlands bezeichnet Kühn als "nicht unwichtig", auch wenn Putin signalisiere, dass er über die Köpfe der Europäer hinweg mit den USA reden wolle. Deutschland sei aber vor allem wirtschaftlich wichtig, weil es viel Öl und Gas von Russland abnehme: "Das ist ein Pfund, das kann Deutschland in die Waagschale einwerfen und das wird Baerbock auch", so der Friedensforscher. Die Nord-Stream-2-Pipeline könnte so als Druckmittel eingesetzt werden, allerdings gebe es dabei Differenzen zwischen der SPD und den Grünen in der Bundesregierung.