Zeichnung: Elegante reiche Männer und Frauen shoppen au§erhalb eines Kaufhauses (Bild: imago images/Ikon Images)
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- Konsum als Droge: "Lockdown war wie ein kalter Entzug"

Nicht nur Drogen und Internet können süchtig machen, sondern auch Einkaufen. Physiologisch steht hinter Lustkäufen die Ausschüttung von Dopamin. Der Hunger danach verführt uns zu Impulskäufen. Über die Lust auf Konsum spricht Sabina Matthay mit Modekritiker und Trendforscher Carl Tillessen.

Als die Menschen in Deutschland im Frühjahr 2020 erstmals in den Lockdown geschickt wurden, um die Corona-Pandemie einzudämmen, war schnell von der Krise als Chance die Rede. Zum Beispiel als Chance für eine radikale Wende hin zum nachhaltigen Wirtschaften, gerade auf persönlicher Ebene.

Konsum im Lockdown

Im Hausarrest, so die These, würden die Leute in sich gehen, über Klimawandel, Tierwohl und unsoziale Produktionsverhältnisse nachdenken, und sich zu geläuterten Verbrauchern wandeln. Die Umsatz- und Gewinnsteigerungen der Paketzusteller, die vollen Geschäfte während der Lockerungen legen jedoch nahe, dass der Lockdown keineswegs das Ende der Lustkäufe einleitete.

Einkaufssucht hat globale Folgen

Woher stammt unsere Lust am Konsum und warum lässt sie sich kaum dämpfen, kurz: warum kaufen wir, was wir nicht brauchen? Nicht von ungefähr hat sich zum Beispiel der globale Konsum von Kleidung in den letzten 40 Jahren versechsfacht. Das Bewusstsein dafür wächst, dass dahinter auf persönlicher Ebene Sucht steht. Und dass diese Sucht auf globaler Ebene Ressourcen verschwendet.

Carl Tillessen (Bild: Martin Mai)
Bild: Martin Mai

Doch zu weniger Konsum oder zu einem veränderten Verhalten hat diese Erkenntnis bisher nicht geführt. "Das Kaufen hat sich vollkommen vom Brauchen abgelöst", so Tillessen, und die Menschen regulieren ihre Stimmung durch Kaufen.

 

Buchinfos

Carl Tillessen: Konsum. Warum wir kaufen, was wir nicht brauchen
224 Seiten
2020
Verlag HarperCollins
15,00 € (Buch), 10,00 € (E-Book)

 

Die Sendung ist eine Wiederholung vom 17. Oktober 2020.