Ein Mann steht im Hochwasser an seinem Auto, das steckengeblieben ist. Nach massiven Regenfällen mußten etwa 1500 Menschen in Hückeswagen im Bergischen Land ihre Wohnungen verlassen.
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- "Wir müssen den Klimaschutz endlich ernst nehmen"

Starkregen und Unwetter haben den Westen Deutschlands verwüstet. Bund und Ländern sichern Hilfe zu. Doch das reicht nicht aus. Vielmehr muss der Klimaschutz endlich ernst genommen werden. Ein Kommentar von Angela Ulrich

Klar - das allererste, was jetzt ansteht, ist, den Menschen zu helfen, angesichts der Sturzfluten. Gebäude sichern, in Not Geratene betreuen, Hilfsfonds an den Start bringen. Akute Katastrophenhilfe eben. Da ist es völlig richtig, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet die Gummistiefel anzieht und nach Hagen eilt. Aber wenn der Regen abzieht, und die Schlammmassen weggeräumt sind, dann geht es ans Eingemachte. Denn diese Starkregen machen wieder deutlich: Die Folgen des Klimawandels sind sehr konkret auch bei UNS längst angekommen. Und das heißt: wir haben keine Zeit mehr zum Lamentieren, Zagen und Verzögern.

"Konkrete Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaziele scheitern bisher"

 

Weiterhin aber nimmt die Bundesregierung, nehmen Landesregierungen den Klimaschutz nicht ernst genug. Ja, es gibt ein Klimaschutzgesetz, das ambitionierte Treibhausgas-Minderungsziele festschreibt. Aber die konkreten Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele scheitern bisher an Unions-Blockaden und SPD-Halbherzigkeit. Bundeswirtschaftsminister Altmaier findet, dass Klimaschutz nur dann funktioniert, wenn dadurch „unser Wohlstand nicht gefährdet“ wird. Und CDU-Kanzlerkandidat Laschet fordert nun mehr Tempo für Klimaschutz – weltweit. Aber war es nicht gerade die Laschet-Regierung in Nordrhein-Westfalen, die 1000 Meter Mindestabstand für Windräder im Landes-Klimaschutzgesetz festgeschrieben hat? Also den Windausbau im Land quasi abgewürgt hat, der ja Klimaschutz befördern würde? Das alles muss wie Hohn klingen in den Ohren der Flutopfer in der Eifel, in Wuppertal oder im Ahrweiler-Kreis.

"Die Katastrophe zeigt umso dringender, dass wir im Bundestagswahlkampf ernsthaft über Klimaschutz reden müssen"

 

Andersrum wird ein Schuh draus: Nur MIT Klimaschutz können wir Wohlstand und auch unsere Sicherheit bewahren. Und das ist keine Geheimerkenntnis, sondern lautstarkes Allgemeinwissen. Es ist eine furchtbare Katastrophe für die Menschen, die gerade in Not geraten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Aber es zeigt umso dringender, dass wir im Bundestagswahlkampf ERNSTHAFT über Klimaschutz reden müssen, statt über Pillepalle, auch wir Medien. Denn die echten Probleme kommen mit der Gewalt einer Sturzflut zurück.

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