ARCHIV: Michael O'Leary, irischer Vorsitzender der Fluggesellschaft Ryanair, beantwortet am Mittwoch (23.03.2011) im Flughafen "Airport Magdeburg Cochstedt International" in Cochstedt (Salzlandkreis) während einer Pressekonferenz Fragen.
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- Die Lohnpolitik nach Gutsherrenart klappt nicht mehr

Urlauber und Geschäftsreisende, die Ryanair gebucht haben, werden genervt sein: am Freitag wird die irische Fluggesellschaft gleich in mehreren Ländern bestreikt. Auch bei uns. Piloten fordern bessere Arbeitsbedingungen. Dabei geht es um mehr als nur Geld, meint Wirtschaftsreporter Johannes Frewel in seinem Kommentar.

Hunderte Flüge werden am Freitag ausfallen - einfach ein weiterer Pilotenstreik, mag man abwinken. Doch das ist es nicht. In 25 Jahren an der Spitze hat Michael O'Leary die irische Billigairline Ryanair in Dublin bei der Zahl der Flüge zur profitablen Nummer Eins in Europa gemacht. Das Rezept: kein Schnickschnack in den Maschinen und Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter, die ganz ohne tarifvertragliche Annehmlichkeiten auskommen.

Ausgerechnet die Pleite von Air Berlin zeigt Ryanair die Grenze des eigenen Geschäftskonzepts auf: Easyjet und Eurowings sichern sich zunehmend Marktanteile, die Air Berlin hinterließ. Im Wettbewerb um Wachstum und Mitarbeiter hat Ryanair das Nachsehen. Die Integration der Ex-Air-Berlin-Tochter Niki als Laudamotion hakt.

Ryanairs Lohnpolitik nach Gutsherrenart klappt nicht mehr, der Markt verändert sich. Der Wettbewerb wird europaweit ausgetragen und die nationalen Gewerkschaften von Piloten sowie Flugbegleitern haben sich jetzt darauf eingestellt. Der Arbeitsmarkt ist nach der Air-Berlin-Pleite zu ihren Gunsten gekippt: in der Wachstumsphase beim Kampf um Marktanteile gibt es bei Flugzeugcrews mehr Nachfrage als Angebot.

Die Voraussetzungen, endlich einen Fuß in die Tür bei Ryanair zu bekommen, haben sich für Gewerkschaften verbessert. Die schlechten Arbeitsbedingungen treffen in zahlreichen Ländern auf sinkende Akzeptanz. Der Arbeitsmarkt wird zunehmend europäisch, nationale Gewerkschaften ziehen erstmals über Grenzen hinweg an einem Strang.

Tariferfahrene Gewerkschaften treten bei Ryanair europaweit nun geschlossen einem Arbeitgeber entgegen, dem Erfahrung und Kompetenz in Tarifkämpfen fehlen. Bleibt zu hoffen, dass es Ryanair gelingt, sein Geschäftskonzept so zu reformieren, dass auch mit auskömmlichen Löhnen schwarze Zahlen eingeflogen werden. Andernfalls steht die europäische Luftfahrt vor einer grundlegenden Zäsur, sollte nach Air Berlin eines Tages auch die gelbe irische Harfe auf blauem Grund tief in die roten Zahlen fliegen.

Johannes Frewel