Elektrische Straßenbahn von Siemens 1881 (Bild: imago/teutopress)
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- Erfindungen aus Berlin-Brandenburg: die Elektrische

Sie ist aus Berlin nicht wegzudenken und sie hat eine große Zukunft: die Straßenbahn. Aber sie hat auch als die "Elektrische“ eine große Vergangenheit, war es doch der Berliner Unternehmer Werner von Siemens, der die elektrische Straßenbahn Mitte des 19. Jahrhunderts erfand. Wissenschaftsredakteur Thomas Prinzler erzählt die Geschichte zu dieser Berliner Erfindung.

Was war es doch mühsam in den vergangenen Zeiten von einem Ort zum anderen zu gelangen: Mit Pferd und Kutsche oder zu Fuß ging es recht langsam und holprig voran. Und auch in den Städten waren die Wege lang – ohne Auto, Fahrrad und öffentlichen Nahverkehr. Der startete erst 1832 in New York mit der Inbetriebnahme der ersten Pferdestraßenbahn. Es dauerte dann noch über 30 Jahre, bis auch hier die Berliner Pferde-Eisenbahn zwischen Berlin und Charlottenburg ihren Betrieb aufnahm – 1865 war das.

Pferdeäpfel ebneten den Weg

Damals gab es einen jungen, unternehmungslustigen Leutnant in der Stadt mit vielen kreativen Ideen. Er hatte fern gezündete Seeminen entwickelt und verdiente mit dem Patent für ein galvanisches Verfahren einiges Geld. Bei dem konnte Besteck mit einem Silber- oder Goldüberzug versehen werden. Später – längst war er erfolgreicher Unternehmer und hatte ganz Europa mit einem Telegraphennetz überzogen – ärgerten ihn immer wieder die Hinterlassenschaften der Pferde in der Stadt, in die man überall hineintreten konnte.

Er entwickelte eine Bahn, die ohne Pferde auskam und ohne Dampfmaschine, sondern mit dem letzten Schrei der Technik – mit Elektrizität. Doch seine kühnen Pläne einer auf Stelzen über der Leipziger Straße fahrenden elektrischen Bahn stießen in der Berliner Verwaltung auf Ablehnung.

Quietschende Straßenbahn

Und so wich er nach Lichterfelde aus, vor die Tore der Stadt, um seine elektrische Straßenbahn zu testen. Am 16. Mai 1881 war es soweit. Die Berliner National-Zeitung berichtete über die Weltpremiere, die ansonsten wenig Beachtung fand:

"Gestern Mittag 1 Uhr ist die elektrische Eisenbahn von dem Bahnhofe Lichterfelde der Berlin-Anhaltischen Bahn nach der Hauptkadettenanstalt dem Verkehr übergeben worden. Die Fahrt verlief ohne jede Störung zur vollsten Zufriedenheit aller Teilnehmer."

Der Erfinder schrieb stolz an seinen Bruder William, dass die Zuschauer: "sehr überrascht und erstaunt gewesen seien, als sie einen gewöhnlichen Eisenbahnwagen sahen anstelle der erwarteten Wägelchen und kleinen Locomotivchen, und noch mehr, als der Wagen sich sofort mit ca. 30 km Geschwindigkeit in Bewegung setzte."

Der umgebaute Eisenbahnwagen bot Platz für 20 Passagiere. Der 5-PS-Elektromotor bekam den 180 Volt Fahrstrom über die beiden Schienen. Das sollte sich jedoch als Nachteil herausstellen – denn die Jugendlichen Lichterfeldes hatten bald darauf ihren Spaß daran, die Bahn lahm zu legen, indem sie die Schienen kurzschlossen. Doch auch ein anderes Problem bedurfte einer Lösung: Ein Übelstand ist dabei vorhanden, dass die Pferde vier Beine haben und daher beim Passieren der Gleise oft gleichzeitig auf beide Schienen kommen. Sie erhalten dann eine elektrische Erschütterung, die sie verdrießlich macht.

Und mit verdrießlichen Pferden war nicht zu spaßen. Der kreative Unternehmer erfand für seine Straßenbahn die Oberleitung, wie wir sie heute noch kennen. Den Siegeszug der Elektrischen in Berlin erlebte deren Erfinder nicht mehr – er starb am 6. Dezember 1892.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

WissensWerte

Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.