Europäischer Braunbrust-Igel
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Bild: imago/blickwinkel

- Bewahren für die Zukunft: Tierfelle

Das Fell von Eisbär Knut gehört zu den berühmtesten Exponaten des Museums für Naturkunde. Weniger bekannt ist, dass in den Schränken und Schubladen des Museums weitere 30.000 Felle verschiedener Tiere lagern – vom Braunbrust-Igel bis zum Tiger. Viele sind vom Zerfall bedroht. Doch die Museumsmitarbeiter wollen sie für Ausstellungen und Forschung retten. Josefine Janert hat sich umgehört.

Wenn man sich dieses Fell genau ansieht: Von der Haarseite sieht es ganz schön aus. - Der Biologe Steffen Bock deutet auf das Fell eines Fuchses, das in einer Schachtel liegt. Es ist etwa 60 Jahre alt.

Vielen Einwirkungen ausgesetzt

Steffen Bock: "Aber zum Glück gibt’s auch die Rückseite, also die Fleischseite, so nennt man das. Und hier sieht man: Es sieht eigentlich gar nicht mehr aus wie eine Haut, sondern eher wie Papier oder Karton. Es ist sehr, sehr stark zerrissen und besteht eigentlich nur noch aus Flocken. Es ist zusammengeknäult und noch mit einer Schnur noch zusammengebunden. Warum, das weiß ich nicht."

Die Haut von vielzelligen Tieren besteht aus Kollagen, einem Protein, das ihre Struktur stärkt. Bei dem Fuchsfell ist das Kollagen zerstört worden, eventuell schon, als es mit ungeeigneten Mitteln konserviert wurde. Felle leiden auch unter Insekten, Lichteinwirkung, Berührungen, unsachgemäßem Transport sowie Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

"Das ist optisch nicht immer zu sehen. Auch vom Anfassen her nicht immer zu sehen," sagt Christiane Quaisser, die ebenfalls Biologin im Museum für Naturkunde ist.

Zustand der Felle im Naturkundemuseum variiert

Der Zustand der Felle im Museum variiert. Fachleute sprechen von einem aufgestellten Fell, wenn es an einem Hohlkörper befestigt ist. Viele sind gut erhalten, unter anderem, weil sie an ihrem Stockel angefasst und leicht transportiert werden können. In diese Kategorie fällt auch die Dermoplastik von Eisbär Knut. Außerdem besitzt das Museum rund 30.000 sogenannte flache Felle. In der Vergangenheit haben etliche gelitten, etwa, weil zu viele von ihnen übereinander gestapelt wurden. Auch die hängende Lagerung ist problematisch, da das Fell abreißen kann.

In gutem Zustand sind jedoch die Felle von rund 20 Braunbrust-Igeln aus acht europäischen Regionen, die nebeneinander in einer Schublade liegen. Steffen Bock: "Die einen Igel sind vielleicht mal ein bisschen heller, die anderen sind n bisschen dunkler. Dann ist es als Wissenschaftler sehr interessant, einfach die Artbeschreibung daraus zu machen, zu überlegen: Was ist jetzt wirklich das Artenmerkmal Braunbrust-Igel? Weil viele Merkmale nicht am Schädel ablesbar sind, sondern eigentlich nur an der Fellfarbe."

Felle sind ein Kulturgut

Die meisten Felle kamen im 19. oder frühen 20. Jahrhundert in das Museum. Heute geben sie nicht nur Auskunft über die Artenvielfalt und frühere Konservierungsmethoden. Sie erinnern auch daran, wie die Tierwelt früher im Museum präsentiert wurde. Da also Felle nach Meinung der Mitarbeiter ein Kulturgut sind, widmen sie sich seit Beginn des Jahres in einem Forschungsprojekt ihrem Zustand und den Ursachen ihres Zerfalls. Steffen Bock und Christiane Quaisser arbeiten beide daran mit: "Anhand der Ergebnisse kann man auch eine Prioritätenliste machen von Fellen, die wir jetzt ganz dringend behandeln müssen, und Fellen, die wirklich gut sind. Wir erhoffen uns von diesen Methoden, dass wir da schnell eine Übersicht kriegen."

Aus dem Forschungsprojekt wollen die Wissenschaftler ableiten, wie Felle künftig am besten zu lagern und auszustellen sind. Es ist Teil eines Aktionsplans der acht Leibniz-Forschungsmuseen anlässlich des Europäischen Jahres des Kulturerbes. Schon jetzt können sich Besucher in einem kleinen Teil der Ausstellung über den Umgang mit den Fellen informieren.

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Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.