Klang- und Lichtinstallation AIS³ in der Berliner Kulturkirche St. Elisabeth
rbb/Thomas Prinzler
Bild: rbb/Thomas Prinzler

- IceCube - Kunst und Wissenschaft

Es ist eines der größten Experimente weltweit: IceCube am Südpol. Ein Kubik-Kilometer groß ist das Observatorium, das  winzige Teilchen registrieren soll - Neutrinos. Dazu sind über 5.000 Kugeln mit Sensoren im ewigen Eis versenkt. Daran beteiligt ist auch das deutsche Forschungszentrum DESY. Und weil Neutrinos sehr abstrakt sind, haben DESY-Forscher einen Künstler beauftragt sich den Neutrinos und  IceCube auf seine Art zu nähern. Herausgekommen ist eine  Klang- und Licht-Installation. Thomas Prinzler findet sie spannend.

Letzte Regieanweisungen des Künstlers Tim Otto Roth – und dann leuchtet und rauscht es im leeren Kirchenschiff von St. Elisabeth wellenartig und dazwischen blitzen die Lichter der Lautsprecher auf: An 37 Drähten hängen jeweils 12 kugelförmige und verschiedenfarbig leuchtende Lautsprecher von der Decke und konstruieren so einen 8 mal 8 mal 7 Meter großen begehbaren Licht- und Klangraum - komponierte Physik. Man könne sich auch versetzt fühlen an einen sehr dunklen Ort in der Antarktis, 1,5 Kilometer tief im Eis, wo es stockfinster ist und trotzdem Lichtereignisse gibt, sagt der Astroteilchen-Physiker Dr. Christian Spreng vom DESY.

Geisterteilchen Neutrinos

Es ist das kurze Aufblitzen, das Neutrinos in den Sensoren der 5160 Kugeln des IceCube Observatoriums erzeugen. Dr. Christian Spreng war am Aufbau und Betrieb des Neutrino-Observatoriums beteiligt: "Neutrinos werden immer als Geisterteilchen bezeichnet, weil sie so selten mit der Umgebung wechselwirken, aber man weiß sehr sehr viel über Neutrinos. Wir nutzen sie auch nicht als Objekt, das wir erforschen, sondern als Informationsträger von fernen Galaxien, von Supernova-Explosionen. Andere nutzen sie als Informationsträger aus dem Inneren der Sonne."

Gerade erst haben die Astroteilchenphysiker von IceCube entdeckt, woher Neutrinos aus den unendlichen Weiten des Weltraums stammen: aus einem Schwarzen Loch im Sternbild Orion - eine wissenschaftliche Sensation. Und erkennt Christian Spiering  sich und seine Physik  im Kunstwerk  wieder?

Das ist ja das Schöne, dass es keine 1:1 Übersetzung ist, sondern dass man sich selbst odler das Experiment mit völlig anderen Augen sieht und dazu noch hört. Nicht nur auf dem flachen Display sondern räumlich. (...)"

Lichtenergien werden in diverse Tonhöhen übersetzt

Tim Otto Roth hat für seine Installation "AIS³ - Astroparticle Immersive Synthesizer" die Daten der Physiker als Ausgangsmaterial genommen, um mit den Klängen Räume zu schaffen, mit den 440 Lautsprechern Klänge und Licht im Raum zu organisieren: "Dieses Licht hat eine gewisse Energie und diese Energie ist nicht immer dieselbe. Diese Lichtenergien werden dann in unterschiedliche Tonhöhen übersetzt, in ein gefiltertes Rauschen. Die Grundfrequenz von diesem Rauschen, das in der Tonhöhe variiert basiert auf den Energien von diesen Lichtteilchen, die da durchsausen."

Fremdartig, faszinierend fast mystisch wirken die Klänge und Lichter im Kirchenraum. Sie  assoziieren Zeit- und Raumweiten der Geisterteilchen, der allgegenwärtigen Neutrinos als milliardenalte Boten aus dem Weltraum.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

WissensWerte

Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.