Bulldog-Fledermaus
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- Tierische Luftraumeroberer

Fledermäuse, Zugvögel und Insekten haben eins gemeinsam: Sie jagen und fliegen oft in großer Höhe. Doch bisher hatten weder Forscher noch Umweltschützer auf dem Schirm, dass der nach oben offene Luftraum ein so wichtiger Lebensraum für viele Tierarten ist. Und dort oben wird es immer enger und die Gefahren nehmen zu.  Das haben Forscher vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin mit einer aktuellen Studie herausgefunden. Sie fordern mehr Schutz für die Tiere im offenen Luftraum. Ein Beitrag von Maren Schibilsky mit Einzelheiten.

Ortungsrufe von Fledermäusen konnten mit einem Detektor für Menschen hörbar gemacht werden. Der Berliner Ökologe Oliver Lindecke erforscht seit langem das Jagd- und Zugverhalten von Fledermäusen und ist immer wieder erstaunt, in welch großen Höhen die Tiere unterwegs sind. Den Weltrekord im Höhenflug hält eine Fledermaus aus Übersee: "Das ist eine Fledermaus aus Nordamerika, die große Bulldog-Fledermaus. Die steigen bis zu 3000 Metern auf. Wir können davon ausgehen, dass das europäische Fledermäuse genauso tun. Da haben wir selber Daten und wissen, dass der Große Abendsegler über einen Kilometer hoch fliegen kann," erzählt der Wissenschaftler vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung.

Mithilfe kleiner GPS-Logger, die auf den Fledermäusen sitzen, können die Wissenschaftler die Höhenflüge verfolgen. Warum sich die kleinen 'Nachtschwärmer' so hoch aufschwingen, hat einen einfachen Grund: Dort oben gibt es jede Menge Futter, erzählt der Biologe Christian Voigt vom IZW. Denn Insekten sind ebenfalls Luftraumeroberer: "Insekten wandern über große Strecken, in dem sie sich von den Luftströmungen driften lassen, und können so von Südeuropa nach Nordeuropa kommen. Und Fledermäuse nutzen diese Insekten als Nahrungsgrundlage und fliegen deshalb auch in diese hohen Bereiche." 

Doch dort oben wird es immer enger. Der Flugverkehr nimmt zu. Nicht selten stoßen Vögel - aber auch jede Menge Fledermäuse - unbemerkt mit Hubschraubern oder Flugzeugen zusammen. Immer mehr Feinstaub, Chemikalien und Auto-Abgase verunreinigen die Luft. Die größten Gefahren sind jedoch 200 bis 300 Meter hohe Windkraftanlagen, die in den Jagdrevieren von Fledermäusen und entlang der Zugrouten immer mehr werden, meint Christian Voigt: "Wir wissen nicht genau, wie viele Fledermäuse an Windkraftanlagen zu Tode kommen. Wir schätzen, dass es Zehn- bis Hunderttausende sind in Deutschland und ganz Europa."

Und fehlen diese Fledermäuse dann, steigen die Schadinsekten in der Landwirtschaft, führt Oliver Lindecke weiter aus: "Fledermäuse erfüllen ja für uns eine wunderbare Ökosystem-Dienstleistung. In Europa sind die Fledermäuse insektenfressend. Und das machen sie nachts so heimlich, dass wir das im Allgemeinen nicht mitbekommen. Die Effekte, wenn die Fledermäuse abnehmen, sehen wir erst nach ganz langer Zeit."

Um den offenen Luftraum für die Tiere zu erhalten, haben die Forscher mit ihrer Studie erstmals auf das Problem hingewiesen und erste Schutzideen entwickelt. Die umzusetzen ist ähnlich kompliziert wie bei Ozeanen, weil es viele internationale Bereiche gibt. Christian Voigt: "Die Unterschutzstellung ist da immer sehr schwierig. Aber wir haben Meeresparks etabliert, damit es Bereiche gibt, wo nicht gefischt werden darf. Und für den Luftraum müssen wir etwas Ähnliches erreichen: Wir brauchen Bereiche, die geschützt werden vor Lichtverschmutzung oder vor dem Ausbau von Windkraft beispielsweise, weil wir diesen Luftraum sonst verloren geben für die Natur und die Tiere darunter leiden."

Vielleicht wird es in Zukunft so etwas wie "Luftraumparks" geben, die international vereinbart werden.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.