Szene des Dokumentarfilms "The Cleaners"
Gebrueder Beetz Filmproduktion
Bild: Gebrueder Beetz Filmproduktion

- Im Schatten der Netzwelt: The Cleaners

Facebook-Chef Mark Zuckerberg musste vor kurzem vor dem US-Kongress aussagen, was genauso Schlagzeilen machte wie ein paar der offengelegten Datenlecks und die systematische Beeinflussung von Menschen durch das "Medium" sozialer Netzwerke. Es ging aber auch darum, wer entscheidet, was gepostet werden darf und was nicht. Diese Frage wurde meist nur ausweichend beantwortet. Der Dokumentarfilm "The Cleaners" zeigt, wer da wie entscheidet, was rausfliegt und was nicht. Alexander Soyez stellt den Film vor.

"Es war einmal, da hatte jeder Bürger ein Recht auf seine eigene Meinung, und jetzt ist es so, dass jeder ein Anrecht auf seine eigene Wahrheit zu haben scheint."

Das ist einer der vielen klugen Sätze, die sich Moritz Riesewick und Hans Block für ihren Film eingeholt haben, eine der vielen scharfsinnigen Analysen, die ihrem Film quasi den erklärenden und einordenden Halt geben, einem Film, der das Thema Facebook, soziale Medien, und Zensur oder Beeinflussung da anpackt, wo eben nicht Algorithmen, sondern Menschen entscheiden, was richtig oder falsch ist. Hans Block: "Wir wollten die Menschen kennenlernen, die - weit outgesourct – in der Unsichtbarkeit entfernt in Manila sitzen, und sich zehn Stunden am Tag den übelsten Scheiß anschauen, von Gewalt, über Pornographie und Terrorismus. Wir wollten wissen, wie die ihre  Arbeit verstehen und uns ansehen, was genau die machen – und wir wollten wissen, was deren Arbeit für Folgen hat."

Und Moritz Riesebeck fügt hinzu, dass der Film zeigen möchte, wie fehlerhaft dieses System eigentlich ist: "Hier wird Menschen zugemutet, dass sie sämtliche Konfliktherde der Welt auswendig kennen und aus allen möglichen kulturellen Hintergründen Inhalten beurteilen und einordnen sollen – und das sind Dinge, die man von niemandem erwarten kann. Hinzu kommt, dass diese Aufgabe an junge Menschen in Manila vergeben wird, die nie ihre Stadt verlassen haben, und im Sekundentakt entscheiden müssen. Das ist extrem bescheuert!"

Aber genauso ist es. Und das zeigen zu können, war der schwierigste Teil des Projekts. Denn das passt nicht zum heilen Facebook-Bild, dass da ein paar unerfahrene Studenten in ausgelagerten und geheim gehaltenen Unternehmen über Meinungsfreiheit entscheiden. Hans Block: "Diese Unternehmen haben eine Privat-Polizei, um ihre Mitarbeiter unter Druck zu setzen, wenn sie beispielsweise in ihren Accounts kontrolliert werden und auch mit niemandem reden dürfen. Es gibt auch hohe Vertragsstrafen,  wenn sie ihre Schweigepflicht brechen."

Mit der Hilflosigkeit der Cleaner, der Säuberer, angesichts der zu säubernden Dinge und angesichts ihres schlecht bezahlten und überfordernden Jobs, wird auch die Hilflosigkeit der sozialen Medien oder Facebooks deutlich, die sich ihrer Verantwortung als Medium am liebsten einfach nicht stellen wollen. Und genau das zeigen Block und Rieswick eindrucksvoll, analytisch und entlarvend mit The Cleaners: "Jemand, der aus dem Facebook-Inneren stammt, sagt, dass Zuckerberg so etwas wie ein 'true believer' sei, ideologisch so verbrämt, dass er gar nicht mehr mitbekommt, wie ihm das Ding immer mehr entgleitet. Auf der Ebene von Staaten gibt es ja auch den Zusammenschluss der UNO für Konflikte, die zu global sind,  um sie nationalstaatlich zu lösen. Vielleicht bräuchten wir ja entsprechend eine digitale UNO."

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.