Yen Ning von Greenpeace Taiwan
Inforadio/Benjamin Eyssel
Bild: Inforadio/Benjamin Eyssel

- Recycling auf Chinesisch

Papiertonne, Restmüll, Gelbe Tonne, Glastonne, Biotonne. Die meisten von uns haben mehrere Recycling- und Mülltonnen im Hinterhof, vor dem Haus oder in der Garage stehen. Wer richtig trennen will, der muss sich mit dem System erstmal ausführlich auseinandersetzen. Wem das schon zu viel Müllsortiererei ist, der sollte mal nach Taiwan blicken. Auf der ostasiatischen Insel wird nämlich der Müll nach rund 15 verschiedenen Recycling-Arten sortiert. Ein Bericht von Inforadio-Reporter Benjamin Eyssel aus Taiwan.

Jeden Abend, wenn es dunkel wird, hört man eine Melodie in Taiwans Städten. Und das heißt: den Müll rausbringen. An bestimmten Haltepunkten kann man dann seinen Abfall abgeben. Recycling ist kostenlos. Für den Restmüll muss man allerdings bezahlen, man darf ihn nur in bestimmten Tüten abgeben, die man im Laden kaufen muss. Das soll die Leute zum recyceln motivieren.

Die Taiwanerin Chiu Bihui hat viele Jahre in Deutschland gelebt. Wie die meisten ihrer Landsleute wäscht auch sie Joghurtbecher und Saftflaschen aus. Speisereste werden nach rohen und gekochten Abfällen getrennt und im Kühlschrank aufbewahrt. Bei den heißen Temperaturen im Sommer würde es sonst schnell zu stinken anfangen.

Bevor das aktuelle Recycling-System eingeführt wurde, hatte Taiwan ein Müllproblem. Tausende Müllsäcke auf der Straße bei tropischen Temperaturen waren nicht nur geruchstechnisch ein Problem. Sie lockten auch Ratten und anderes Ungeziefer an. Und es gab ein weiteres Problem: auf der dichtbesiedelten Insel ging der Platz für Deponien aus. Yen Ning von der Umweltschutzorganisation Greenpeace in Taiwan: "Vor 20 oder 25 Jahren landete der meiste Abfall auf Müllhalden. Zu dieser Zeit haben wir aber auch damit begonnen, Müllverbrennungsanlagen zu bauen. Im Moment recyceln wir 46 Prozent unseres Abfalls und fast der gesamte Restmüll wird verbrannt."

In einigen taiwanischen Städten kann man mittlerweile sogar per App verfolgen, wo sich die Müllabfuhr gerade befindet und nachsehen, welches Recycling-Material an welchem Tag angenommen wird. Pünktlich um kurz vor 19 Uhr trägt Chiu Bihui ihre Tüten mit Müll und Recycling zum Müllauto – so wie dutzende ihrer Nachbarn.

Das System ist allerdings sehr zeitaufwändig – wer nach der Arbeit was vor hat oder im Schichtdienst arbeitet, der schafft es kaum, seinen Müll loszuwerden. Dennoch funktioniert es sehr gut: Im Vergleich mit den meisten Ländern der Welt hat Taiwan eine sehr hohe Recyclingquote. Taiwan steht beispielsweise deutlich besser da als die meisten EU-Länder. Yen Ning von Greenpeace sagt aber, dass noch viel zu viel Plastik-Müll produziert wird: "Wir haben eine einzigartige Getränkekultur. Taiwaner kaufen gerne Tee, am Morgen oder am Nachmittag. Und alles muss super-praktisch und zum Mitnehmen sein: Restaurants und Ladenbesitzer packen deswegen alles in Tüten oder andere Kunststoffverpackung. Das Leben hier ist voller Plastik, wenn man nicht aktiv nein dazu sagt."

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