Vollautomatischer Melkroboter melkt eine Kuh
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Bild: imago/Reiner Zensen

- Die twitternde Kuh

Roboter melken Kühe, Drohnen kartieren Felder, Sensoren messen den Nährstoffbedarf der Pflanzen. Längst haben viele Landwirte die Bedeutung digitaler Technik in ihren Agrarbetrieben erkannt. Mehr als die Hälfte sehen – laut einer Befragung des Deutschen Bauernverbandes - in der Digitalisierung der Landwirtschaft eine Riesenchance. Doch es gibt noch gewaltige Hürden in der Umsetzung. Maren Schibilsky hat sich auf der Grünen Woche informiert.

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, ist richtig stolz auf seine Landwirte. Seit 20 Jahren findet bereits die Digitalisierung in der Agrarwirtschaft statt. Viel früher als in anderen Bereichen. Doch jetzt hat sie richtig an Fahrt gewonnen: "Was sich in den letzten Jahren besonders entwickelt hat, sind Spurführungssysteme. Unsere Maschinen werden immer breiter und immer größer. Deshalb ist es wichtig, dass sie auf den Äckern möglichst präzise fahren. Dann gibt es GPS-gestützte Spurführungssysteme, mit denen man genau und sehr präzise arbeiten kann."

Landwirt Georg Muus nutzt solch´ ein System. Er baut auf 400 Hektar Raps, Weizen, Gerste und Zuckerrüben an. Sein Trecker fährt ganz allein auf der Koppel.  Parzellengenau bestellt er das Feld oder streut Dünger.  Georg Muus sitzt zwar noch im Fahrerhaus, aber steuern muss er nicht mehr: "Das ist eine sehr gute Sache.  Wir sparen Ressourcen, weil wir keine Überlappungen mehr haben. Wir können unsere Maschinen besser kontrollieren, weil wir während der Fahrt auch mal nach hinten gucken können."

Noch innovativer wäre das Ganze, wenn man es mit einer digitalen Ertragskartierung kombinieren würde – meint Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband.  Dann könnte der Landwirt im Folgejahr Parzellen scharf nach Nährstoffbedarf düngen. Erntemaschine spricht mit Düngerstreuer sozusagen: "Wir werden in der Zukunft noch ganz andere Entwicklungen sehen. Autonome Systeme und auch selbstlernende Systeme. Die erfordern auch ganz besonderes Knowhow und ganz besonderen Umgang. Da muss auch die Ausbildung nachziehen."

Die meisten Landwirte sind für solche Entwicklungen extrem offen erzählt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer vom digitalen Unternehmerverband Bitkom: "Das Internet der Dinge entwickelt sich gerade auf dem Bauernhof. Zum Internet der Dinge gehört zum Beispiel auch eine Kuh, die eine SMS versendet, wenn sie befruchtungsfähig ist. Das funktioniert. Aber wir sind noch nicht soweit, dass wir den kompletten Bauernhof mit allen Einzelteilen und dem Feld digitalisiert hätten. Ich gehe davon aus, dass es in den nächsten fünf bis zehn Jahren kommt."

Doch eine große Hürde ist immer noch die fehlende Breitbandanbindung im ländlichen Raum. Die kostet viel Geld und amortisiert sich für die Netzbetreiber nicht. Hier muss ist der Staat künftig helfen – fordert Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband: "Wenn wir uns einen Schwarm autonomer Roboter vorstellen, die auf einem Feld arbeitet und Pflanzenkrankheiten erkennt, dann brauchen wir eine Anbindung an die Cloud. Und dann ist natürlich das flächendeckende mobile Internet in entsprechend hoher Qualität auch ein entscheidender Faktor, dass man das machen kann."

Was für den großen Durchbruch außerdem fehlt ist die Datenverfügbarkeit auf dem Feld. Bernhard Krüsken: "Alle digitalen Anwendungen, die in der Fläche unterwegs sind , sind darauf angewiesen, dass sie auf Geodaten zugreifen müssen. Da sehen wir schon eine öffentliche Aufgabe, diese Daten als, auf neudeutsch heißt das "OpenData" bereit zu stellen. Man kann auch sagen, wir wollen hier eine "digitale Allmende", um diese Entwicklungen möglich zu machen."

Mit Hightech auf dem Bauernhof sind Deutschlands Landwirte weit vorn. Doch der Vorsprung sollte nicht verspielt werden.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.