Christiane Heinicke auf Außeneinsatz während der HI-SEAS Mission
C.Johnston
Bild: C.Johnston

- Die Marsianerin

Der Mars. Unser roter Nachbarplanet. Seit mehr als hundert Jahren fasziniert er Science-Fiction-Autoren. Nachdem wir erfolgreich auf dem Mond gelandet sind, ist der Mars das nächste Ziel. Und bald könnte aus Science Fiction Science Fact werden: In etwa 15 Jahren will die Europäische Raumfahrtbehörde ESA ein Dorf auf dem Mond gebaut haben. Von da aus wollen sie zum Mars aufbrechen. Etwa zur gleichen Zeit plant die NASA bereits den ersten bemannten Flug zum Mars. Damit da oben nichts schief geht, testen Forscher jetzt schon an abgelegenen Orten der Erde, wie das Leben auf dem Mars funktioniert. Kira Schacht berichtet.

Hawaii. Weiße Strände, strahlende Sonne und blauer Himmel. Abseits von diesen idyllischen Szenen gibt es auf der Pazifikinsel Orte, die an etwas ganz anderes erinnern. Verlassene Felswüsten, rotes Vulkangestein: Eine Landschaft wie auf dem Mars. Hier hat die Universität Hawaii zusammen mit der NASA die Station HI-SEAS gebaut. Sechs internationale Crewmitglieder haben sich dort ein Jahr lang eingeschlossen, um die psychologischen Auswirkungen einer langen Marsmission zu testen. Eine von ihnen war die Geophysikerin Christiane Heinicke von der Universität Bremen:  "Unsere Station, das war eine weiße Kuppel, die hatte eine Grundfläche von etwas über 100qm, also zwei Stockwerke und der Durchmesser dieser Kuppel war etwa 12 Meter, also wie drei hintereinander geparkte Autos so in der Größenordnung."

Dr. Heinicke entwickelt jetzt am ZARM, dem Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation, ein neues Habitat, eine Station für Astronauten. Die soll grundlegend anders gestaltet sein: "Die Habitate die so aufgebaut worden sind, wenn man die nehmen würde, auf den Mond stellen würde oder auf den Mars stellen würde, dann würden die Astronauten darin innerhalb weniger Sekunden sterben."

Denn auf dem Mars gibt es keinen Sauerstoff, die Temperaturen liegen bei durchschnittlich -60 Grad. Die Teststationen, die bisher gebaut wurden, haben aber keine eigene Sauerstoffversorgung. Eine echte Station bräuchte außerdem meterdicke Wände statt dünner Plastikplanen, um ihre Bewohner vor der krebserregenden Strahlung aus dem All zu schützen. Und: Die Teststationen bieten keinen Raum für Forschung. Christiane Heinicke: "Ich kann mir vorstellen, dass man ja doch ein bisschen mehr über den Planeten oder über den Mond wissen möchte. Wenn ich da zum Beispiel wieder an HI-SEAS denke oder auch andere Habitate die haben dann zwar ein Labor. Aber man kann eben keine vernünftigen, sinnvollen Analysen durchführen."

MaMBA, Grafik Mars Labor
Bild: Heinicke/Foing 2017/Schacht

Mit ihrem Projekt MaMBA will Christiane Heinicke diese Probleme angehen. Die Station soll aus fünf bis sechs Räumen bestehen, die miteinander verbunden sind: Drei zum Arbeiten und zwei zum Entspannen. In der Mitte befindet sich ein großes Labor. Die Module erfüllen immer gleich mehrere Funktionen: Das Gewächshaus dient gleichzeitig als Fitnessraum, der Lagerraum ist in die Werkstatt integriert. Denn jedes Modul muss ersetzbar sein. Christiane Heinicke: "Also vom Prinzip her wir stellen uns vor, was passiert, wenn ein Modul ausfällt, weil, weiß ich nicht, ein Meteorit einschlägt, oder weil ein Feuer ausbricht. Können die Astronauten dann trotzdem noch da drinnen überleben. Also zum Beispiel wenn das Lagermodul ausfällt ist natürlich blöd wenn ich dann wirklich alle Lebensmittel in diesem Lagermodul habe."

In den nächsten zwei Jahren wollen Christiane Heinicke und ihr Team am ZARM den ersten Entwurf ihrer Station fertig haben. Wenn alles gut geht, könnte die ESA ihn für ihr Mond-Dorf verwenden und schließlich sieht so vielleicht die erste Station auf dem Mars aus.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.