Model des künftigen "Space Rider"
Jacky Huart, ESA
Bild: Jacky Huart, ESA

- Space Rider - das europäische Spaceshuttle

Europa hat sich in der Raumfahrt in den letzten Jahrzehnten einen Namen gemacht. Unbemannte Sonden erforschen andere Planeten und Monde, und bemannt ist die Alte Welt fester Partner auf der Internationalen Raumstation. Nur an so etwas wie einem eigenen Raumschiff, das ins All fliegen und auch wieder zurückkehren kann – daran hapert es noch. Doch nicht mehr lange. Die europäische Weltraumagentur ESA bastelt derzeit an einem wiederverwendbaren Raumtransporter. Sein Name: Space Rider. Was es damit auf sich hat, erklärt Raumfahrt-Journalist Guido Meyer.

11.Februar 2015, Europas Weltraumbahnhof Kourou in Französisch Guyana. Eine europäische Vega-Rakete schießt das IXV in den Weltraum. Diese etwas sperrige Abkürzung steht für Intermediate EXperimental Vehicle, also übersetzt für ein "mittelgroßes Experimentier-Vehikel".

"Das IXV ist ein länglicher Körper. Es hat so ein bisschen die Form des Shuttles, aber es fehlen ihm eben die Flügel." sagt Holger Burkhardt aus dem Programm für zukünftige Trägersysteme beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) über den Prototypen eines europäischen Raumtransporters. Nicht einmal zwei Stunden dauerte dieser Testflug vor nunmehr drei Jahren. Aber dieser Versuch zeigte: Das Prinzip funktioniert. Und dieses Prinzip besteht darin, einen Raumtransporter als Mischung aus Raumschiff und Flugzeug zu gestalten. Von einem riesigen Fallschirm abgebremst, gleitet das Vehikel dann Richtung Erde und kann auf ebenem Terrain mittels Kufen landen oder sogar mit Rädern auf einer gewöhnlichen Landebahn aufsetzen und ausrollen. Die europäische Weltraumagentur ESA war von diesem Testflug begeistert, ergänzt Hendrik Weihs vom Institut für Bauweisen- und Konstruktionsforschung beim DLR: “Die ESA untersucht, aus diesem IXV einen kleinen Raumgleiter zu gestalten,  um damit Experimente in den Orbit zu bringen und wieder zurückzuführen."

Diese Vorbereitungen laufen derzeit. Das "Experimentier-Vehikel" wird auch einen neuen Namen bekommen: Space Rider. Programm-Manager bei der ESA für das Projekt ist der italienische Ingenieur Giorgio Tumino: Das Neue für Europa besteht in der Möglichkeit, diese Experimente auch wieder zurückzubekommen. Die Versuche werden also zunächst ins All transportiert, landen dann mit dem Space Rider wieder und werden schließlich zurückgeschickt in die Labore."

Besonders kurios ist der künftige Landeort von Europas Raumtransporter: Er soll zurückkehren nach Santa Maria, einer Insel der Azoren, ungefähr tausend Kilometer westlich der iberischen Halbinsel. Giorgio Tumino: "Für Santa Maria spricht, dass westlich der Insel kein Festland liegt. So verringern wir das Risiko für die Bevölkerung. Denn die Rückkehr aus dem Weltraum und die anschließende Landung sind sehr anspruchsvoll. Somit werden wir uns der Landebahn auf dem letzten Stück über dem Wasser annähern."

Dann wird der Space Rider ausgepackt, die Experimente zurück an die zuständigen Forscher geschickt und der Raumtransporter zurück nach Kourou, wo er auf seinen nächsten Einsatz vorbereitet wird. Und noch ein Vorteil käme bei den geplanten Versuchen auf dem Space Rider gegenüber der Raumstation hinzu, ergänzt Holger Burkhardt: "Auf der Raumstation ist die Qualität der Schwerelosigkeit nicht ganz so hoch wie das manchmal gewünscht wird. Dadurch, dass Menschen mit an Bord sind, sind auch die Sicherheitsanforderungen sehr hoch. Und deswegen ist die Entwicklung von Experimenten für die Raumstation extrem langwierig und auch relativ teuer."

2019 sollen erste Tests folgen, bei denen das Gefährt von einem Hubschrauber abgeworfen wird und eigenständig landen soll. 2020 dann soll der Space Rider erstmals ins All fliegen.

Sendung

Der Roboter I2D2s mit seinem Erfinder Christoph Hocke (Bild: dpa)
dpa

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Was ist wissenswert in Naturwissenschaft und Technik? Auf diese und andere Fragestellungen rund um Wissenschaft und Forschung geben Thomas Prinzler und  Kollegen Antworten.