Baustelle für das Projekt Europacity (Bild: imago)
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- Bausteine der IHK für die Bau- und Flächenpolitik in Berlin

Nicht nur Wohnungen fehlen in Berlin sondern auch Gewerbeflächen. Für Unternehmen ist das doppelt schlecht: Neue Mitarbeiter finden womöglich keine Bleibe, Firmen können sich nicht vergrößern. Die Industrie- und Handelskammer Berlin hat jetzt Vorschläge gemacht, wie mehr gebaut werden könnte. Wirtschaftsreporterin Anja Dobrodinsky mit den Einzelheiten.

77.000 Wohnungen fehlen schon jetzt in Berlin. Bis 2030 sind es wahrscheinlich sogar 200.000 prognostiziert die Industrie- und Handelskammer Berlin. IHK-Hauptgeschäftsführer Jan Eder betont, wie wichtig dies auch für die Wirtschaft dieser Stadt ist, die angemessenen Wohnraum für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer brauchen.
Gleichzeitig werden auch Gewerbeflächen immer rarer. Und die Konkurrenz zwischen Wohn- und Gewerberaum wächst. Eder warnt, dass die 300 Hektar, die im Moment zur Verfügung stehen, in den nächsten Jahren als Gewerbeflächenpotenzial aufgebraucht sein werden.

Aufbau und Aufstocken der Gebäude, Abrüsten der Anforderungen

Was tun? Die IHK hat Vorschläge erarbeitet, wie der Neubau von Wohnungen angekurbelt werden könnte und wie Flächen für Firmen erschlossen werden könnten. Erstens: Nachverdichten. Durch Aufstocken, Ausbauen von Dachgeschossen oder Wohnungsbau über Supermärkten könnten mehr als 40.000 Wohnungen errichtet werden. Die Bauordnung erlaube das aber oft nicht, kritisiert Jochen Brückmann, vom Stadtentwicklungsausschuss der IHK. So müsse zwischen zwei Häusern mit 20 Metern Höhe ein Abstand von mindestens zehn Metern liegen. Das sei zu viel. Zweitens: Die Anforderungen an private Bauherren seien oft zu hoch. Auf fast einem Drittel der Fläche sollen in bestimmten Fällen günstige Wohnungen gebaut werden. Zu viel, findet Brückmann. Die IHK kritisiert zudem die Einrichtung von Milieuschutzgebieten. In solchen Gegenden mit besonders knappem Wohnraum hat der Bezirk ein Vorkaufsrecht, wenn ein Haus verkauft wird. Die Umwandlung in Eigentum, Veränderungen an Grundrissen und teure Sanierungen sind verboten. In Einzelfällen sei das sinnvoll, räumt Jochen Brückmann ein. Flächendeckend mache das die Gegenden aber unattraktiv für Bauwillige. Er gibt zu bedenken, dass sich vielleicht auch die Bevölkerungsstruktur in einem Kiez ändert und der Bedarf sich ändert. Man möchte diese Immobilie aber stets im Wert erhalten und weiterentwickeln.

Bei den Gewerbeflächen fehle es in Berlin an einer Bestandsaufnahme. Die IHK fordert deshalb ein Informationssystem. Bestehende Flächen sollten nicht zu Wohnraum umgewidmet werden. Die größte Bremse sei aber, dass der Senat keine Flächen mehr an Unternehmen verkauft, so die IHK. Er gibt sie nur noch im Erbbaurecht ab, allerdings auf 30 Jahre. Dieser Zeitraum sei zu kurz, damit sich die Investition lohnt, so der Verband.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
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