Stromtrasse im Wipfratal
imago, Steve Bauerschmidt
Bild: imago, Steve Bauerschmidt

- Digitalisierung in der Energiewende

Was den Stand der Digitalisierung bei der Stromversorgung anbelangt, hat die Energiewirtschaft eher die Anmutung eines Fräuleins vom Amt die die von einem Smartphone – so jedenfalls beurteilt die Agentur für erneuerbare Energien den Stand der Digitalisierung bei der Stromversorgung. Wie intelligent sind inzwischen die Netze? Wie kann die Digitalisierung die Energiewende voranbringen? Und wie angreifbar wird das System dadurch? Anja Dobrodinsky ist diesen Fragen nachgegangen.

Wind und Sonne liefern mal mehr und mal weniger Energie. Die Stromnetze müssen die schwankenden Mengen flexibel annehmen und weiterleiten können. Das geht nur mit digitaler Technik, sagt Bernd Hirschl vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung. Die soll ermöglichen, immer zu wissen, ob eine Wolke kommt und wie der Verbrauch ist.

Daten in Echtzeit monitoren und steuern

Das heißt aber nicht, dass nur die Erneuerbaren digital werden müssen. Auch konventionelle Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerke werden noch eine Zeit lang Teil des Netzes sein. Der wichtigste Punkt für die Erzeuger und Netzbetreiber: Sie brauchen Daten in Echtzeit. Bisher wird im besten Fall alle 15 Minuten gespeichert, wann wo wie viel Sonne scheint oder Strom verbraucht wird. Vorreiter ist Arge Netz, ein Verbund von 340 Erzeugern erneuerbarer Energien in Deutschland. Er betreibt sozusagen ein Erneuerbaren-Kraftwerk, sagt Björn Spiegel von Arge Netz: "Das ist ein Raum, wo einige Monitore an der Wand sind und im dem bis zu drei Leuten drinsitzen, eine klassische Leitwarte, wo alle Informationen zusammenlaufen - mittlerweile 1.800 Megawatt. Und diese Anlagen werden physisch tatsächlich über unsere Glasfaserkabel angeschlossen, so dass wir die erneuerbaren Anlagen in Echtzeit monitoren und steuern können."

Netze durch Digitalisierung besser ausgelastet

So kann der Strom schneller und besser verteilt werden. Durch die Digitalisierung werden also die Netze besser ausgelastet. Die Energieeffizienz steigt. Umgekehrt verbraucht die ganze nötige Technik aber auch mehr Strom. Ein anderes Problem ist der Datenschutz: Intelligente Stromzähler und vernetzte Heime geben womöglich sensible Daten weiter. Zum Beispiel, ob jemand zuhause ist oder was er am liebsten einkauft. Außerdem können digitale Netze von Hackern angegriffen werden, warnt Bernd Hirschl vom Institut für Ökologische Wirtschaftsforschung. Mit dramatischen Folgen: "Die Gefahr ist letzten Endes der lang anhaltende großflächige Blackout. Kleine Stromausfälle sind kein Problem - auch einzelne Verwundbarkeiten nicht. Einen lang anhaltenden großflächigen Blackout wird unsere Gesellschaft nicht überleben."

Problem der Angreifbarkeit

Eine dezentrale Energieversorgung kann diese Gefahr abschwächen, sagt Lars Waldmann vom Arbeitskreis Internet der Energie: "Das würde bedeuten, dass ich einen Stromengpass erstmal in der Nachbarschaft oder erstmal in einer Art Knoten – wir nennen es Zelle – löse, und wenn ich das dort nicht lösen kann, gehe ich einen Schritt weiter."

Dann wird in einem größeren Umkreis gesucht. Bisher funktionieren die Stromnetze nach dem Wasserfallprinzip: Die Energie kommt von oben und wird nach unten verteilt. Erfolgt oben ein Angriff, kommt unten kein Strom mehr an. In Zukunft soll es umgekehrt gehen: Regionale Zellen sollen sich selbst versorgen. So ist das große Ganze weniger angreifbar.

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Zentrale Deutsche Börse (Bild: dpa)
dpa

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